Kommunalpolitik

Löblich ist es schon, wenn sich eine Stadtverwaltung dem Bürgerwillen beugt (wie auch immer motiviert!). Am Beispiel Erfurts sieht man das eindrucksvoll am Hirschgarten. Verzicht auf Wiederbebauung und Schaffung einer dauerhaften Parkanlage waren mehrheitlich vom Bürger gefordert. Die zweite Wache soll nun auch wieder an ihren angestammten Platz vor der barocken Staatskanzlei zurückkehren.
Soweit so gut - mag man glauben, wäre da nicht wieder die Seelenverwandtschaft mit den Schildbürgern.

Die Stadt hat kein Geld - wir schließen z.B. unsere Freibäder - schreiben aber im selben Moment einen Wettbewerb (und diesen europaweit) für die Begrünung des Hirschgartens aus. Wenn es nicht schon dutzende Entwürfe zum Thema gäbe bräuchte sich der Durchschnittsbürger nicht fragen woher die Preisgelder in Höhe von 30.000,- EUR für die besten Entwürfe eigentlich kommen. Peanuts als Begrifflichkeit wurden zwar schon in ganz anderem Zusammenhang gebraucht - wenn man doch aber eigentlich kein Geld hat ist die reine Lehre der Wirtschaft an solch konkretem Beispiel schwer zu vermitteln. Außerdem reden wir gerade über eine Stadt die sich offensichtlich ihrer eigenen Historie mit einer weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Gartenbaukultur nicht so recht erinnern will - oder kann.
Die Schulen gibt es noch, folglich auch Absolventen. Wenn schon neue Entwürfe, warum nicht von ihnen? Vielleicht als Beginn eines neuen Selbstverständnisses der Stadt und ihrer Bewohner.
Wir Erfurter Bürger haben mehr Selbstbewusstsein als unsere Verwaltung. Die FDP fordert keinen europaweiten Wettbewerb, der 30.000 € mindestens kostet, sondern eine Erfurter Lösung !
Welchen Stellenwert der Gartenbau inzwischen in unserer Stadt besitzt kann jeder interessierte Betrachter des alten Angerbrunnens sehen. Hier haben Vandalen die Rose aus der Hand der weiblichen Figur, die den Gartenbau verkörpert, abgebrochen.