Liberaler Mittelstand

Das Interview fand am 15.November anlässlich der Wahl des Erfurters Thomas L. Kemmerich zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden des Liberalen Mittelstandes statt.
Thomas Kemmerich ist gleichzeitig der Vorsitzende der Erfurter FDP.


Zubanovic: Herr Kemmerich, ich gratuliere Ihnen zur Wahl. Was bedeutet diese Wahl für Thüringen und Erfurt?
Kemmerich: Die Wahl ist eine Anerkennung für unsere Arbeit hier in Erfurt, Thüringen und natürlich Ostdeutschland. Gleichzeitig können wir den Anliegen hier in der Region ein stärkeres Gehör verschaffen.

Zubanovic: Könnten Sie die Ziele und Aufgaben des Liberalen Mittelstandes skizzieren?
Kemmerich: Wir bündeln die Interessen des Mittelstandes. Wir kennen die Probleme des Mittelstandes und wandeln sie in politische Forderungen um, die wir dann mit Hilfe der FDP, das ist unsere Vehikel, in die politische Willensbildung einfließen lassen.
Wir bilden aber gleichzeitig einen Pool, in welchen jeder seine Erfahrungen zum Nutzen Aller einbringen kann.

Zubanovic: Nun könnte man einwenden, der Liberale Mittelstand sei eine elitäre Lobbyistenvereinigung?
Kemmerich: Politik ist Interessenvertretung. Der Liberale Mittelstand engagiert sich für die Interessen des Mittelstandes, einem der größten Motoren der Wirtschaft und einem der größten Arbeitsplatzbeschaffer, und anders als bei den von der letzten Regierung hofierten Konzernen, besteht beim Mittelstand nicht die Gefahr das Kapazitäten in Billiglohnländer verlagert werden, wie in den letzten Jahren üblich, da der Mittelstand stärker an Region und Menschen gebunden ist.
Außerdem ist ein starker Mittelstand eine der Voraussetzungen für Freiheit und Demokratie.

Zubanovic: Sie sind während Ihrer Antwort nicht auf das Adjektiv elitär eingegangen.
Kemmerich: Lassen Sie mir bitte etwas Zeit. Ich weiß, vor nicht langer Zeit war der Begriff fast schon ein Schimpfwort und wurde durch Diskussionen in den letzten Jahren zu einem dieser Modewörter. Ich nenne hier nur als Beispiel die Diskussion über Eliteuniversitäten.
Ich meine, in Deutschland haben wir eine offene Elite, die jedem zugänglich ist. Früher war das von Abstammung und Zugehörigkeit abhängig, heute kann man durch Leistung zur Elite gehören. Damit meine ich, jeder der sich Mühe gibt, auf gut deutsch gesagt, die A....backen zusammenkneift, kann zur Elite gehören. Allerdings vorausgesetzt, dass sich Leistung wieder lohnen muss, wobei ich hier ohne es zu wollen, einen Spruch der FDP wiedergegeben haben.

Zubanovic: Lohnt sich Leistung in Deutschland?
Kemmerich: Sie spielen damit auf ein Motto der FDP an. Wenn ich mir anschaue, wie groß die Differenz zwischen Brutto und Netto mittlerweile geworden ist, könnte man meinen, sie lohne sich nicht. Die Sozialabgaben werden ja schon als Strafsteuer für Arbeit bezeichnet. Und die total unverhältnismäßigen hohen Sozialabgaben sind verantwortlich für die Spreizung zwischen Brutto und Netto. Wir fordern, dass die Abgaben für die unteren Einkommen gesenkt werden und die Leute wieder mehr Geld im Geldbeutel haben.

Zubanovic: Sie engagieren sich auch für ökologische Themen, wie die Solar- und Ökologiesiedlung Bonifaciusbrunnen. Das ist ein Feld mit dem man nicht Liberale Politik assoziiert?
Kemmerich: Es war in der Vergangenheit nicht sehr glücklich, dass die Linke und die Grünen dieses Feld für sich beansprucht haben. Ökologie wurde zur Kapitalismuskritik missbraucht. Doch die Lösung der ökologischen Probleme liegt nicht in der Entsagung oder Technophobie, sondern in der Technik und Industrie. Die Technik ist längst da, von der viel gescholtenen Industrie geschaffen, nur umgesetzt werden sie noch nicht, und die aggressiven Ansätze der Linken sind da wenig hilfreich, so dass man das Thema kompetenteren Händen übergeben sollte. Hinzu kommt, dass die Verwaltung Projekte blockiert und wir wieder bei einem Thema sind, dass man mit den Liberalen assoziiert: den Abbau von Bürokratie und Optimierung von Verwaltung.

Zubanovic: Zum Schluss eine persönliche Frage. Sie stammen aus Aachen: Wie sehen Sie ihre Beziehung zu Thüringen und Erfurt?
Kemmerich: Aachen ist meine geborene Heimat. Erfurt ist meine gelebte Heimat. Ich bin seit den 10.11.1989 in Erfurt und Thüringen.

Zubanovic: Herr Kemmerich, vielen Dank für das Interview.

25. November 2007 Kolbe