Liberaler Mittelstand

Einheitsschule verkennt die Talentunterschiede der Heranwachsenden und bringt keine Chancengleichheit im Bildungssystem - Thomas L. Kemmerich plädiert für Stärkung des gegliederten Schulsystems

Die Vorschläge des SPD-Landesvorsitzenden Christoph Matschie zur Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems im Freistaat werden nach Einschätzung des Vorsitzenden des Liberalen Mittelstands Thüringen die soziale Ungleichheit im Bildungswesen nicht beheben. "Die anlässlich der Veröffentlichung der Ergebnisse von Bildungsstudien immer wieder aufgelegte Forderung nach Einführung der Einheitsschule ist ermüdend und verkennt die tatsächlichen Probleme", so Kemmerich. Für ihn sei es völlig unverständlich, "wie die unterschiedlichen Begabungen der Kinder in einer solchen Schulform entwickelt und gefördert werden sollen. Ziel der schulischen Erziehung kann es nicht sein, die Talente der Mädchen und Jungen anzugleichen und damit die Entwicklung der Persönlichkeit zu beschränken." Für Kemmerich, der auch Kreisvorsitzender der Erfurter FDP ist, ist die zunehmende Zahl der Schüler an Privatschulen, also Einrichtungen mit einer größeren Vielfalt an speziellen Lerninhalten, ein Hinweis darauf, "dass sich viele Eltern eine individuellere Betreuung ihrer Kinder wünschen und diese in einer staatlichen Schule derzeit nicht gewährleistet sehen."

Der 42jährige Unternehmer hält es für unerlässlich, das bestehende Schulsystem zu stärken und dabei vor allem strukturelle Veränderungen in Form der frühzeitigen Spezialisierung der Schüler in Mittelschulen und Gymnasien vorzunehmen. "Das Hauptproblem besteht heute darin, dass immer noch viel zu viele junge Menschen die Schule mit mäßiger Qualifikation oder gar ohne Abschluss verlassen. Der Grund für diese Misere ist, dass bestimmte Ausbildungsberufe fast ausschließlich mit Abiturienten besetzt werden. Für Realschüler besteht damit kein Anreiz, einen guten Abschluss zu erreichen." Dass Kinder aus sozial benachteiligten Familien hierzulande keine guten schulischen Erfolge erzielen, liege auch daran, dass die Bedeutung der Hauptschul- und Realschulabschlüsse abgenommen habe. "Es würde daher nichts bringen, wenn bis zur 10. Klasse gemeinsamer Unterricht stattfinden würde, weil die Schüler, die danach die Schule verlassen immer noch keine besseren Chancen auf dem Arbeitsmarkt hätten", so Kemmerich.
Der Vorsitzende des Liberalen Mittelstands Thüringen gibt zugleich zu bedenken, dass die Erwartungen an die Erziehungsleistung der Lehrer nicht überzogen werden dürfen. "In der Schule kann nicht nachgeholt werden, was bei der Erziehung und Bildung im Elternhaus verpasst wurde", so Kemmerich abschließend.

05. Dezember 2007 Kolbe