Veranstaltung
Thomas L. Kemmerich und Dr. Ettore Ghibellino (r.)
Thomas L. Kemmerich und Dr. Ettore Ghibellino (r.)

Zu einer literarischen Diskussion hatten die Erfurter Liberalen am 20. Mai geladen: Im Rahmen des Liberalen Clubs stellte Dr. Ettore Ghibellino seine These zum Leben Johann Wolfgang Goethes vor. "Johann Wolfgang Goethe und Anna Amalia - Eine verbotene Liebe?" - Der Titel seines im Jahr 2003 erstmals erschienenen Werkes deutet an, dass Ghibellino Zweifel an der in der Fachwelt lange Zeit unumstößlichen Auffassung hat, wonach der Geheimrat und Charlotte von Stein eine Liebesbeziehung verband. Über 200 Beweise aus Literatur und bildender Kunst trug der in Weimar lebende deutsch-italienische Jurist und Autor zusammen und kam zu dem Ergebnis: Nicht Charlotte von Stein, sondern der Herzogin Anna Amalia galt Goethes Zuneigung. Mit seiner Behauptung löste Ghibellino in der Fachwelt eine heftige Diskussion aus und stößt bis heute weitestgehend auf Ignoranz und Ablehnung. Bestand tatsächlich eine Liaison zwischen Anna Amalia und Goethe, so müsste die Biografie des Geheimrates völlig neu geschrieben und sein Werk neu bewertet werden. Ghibellino, der auch Vorsitzender des Anna Amalia & Goethe Freundeskreises e.V. und Gründer der Anna Amalia & Goethe Akademie zu Weimar ist, trägt mit seinen umstrittenen Ansätzen entscheidend dazu bei, dass die Erforschung von Goethes Leben und Schaffen neu beflügelt wird und keineswegs als endgültig abgeschlossen gelten kann. Gleichwohl bieten die von Ettore Ghibellino mit der Akribie eines Juristen zusammengetragenen Indizien in jedem Fall guten Filmstoff und dürften damit nicht nur für Goethe-Sympathisanten, sondern auch für Liebhaber der schönen Künste interessant sein.