Gesprächsrunde im Rahmen der Aktion "Mindestlohn"

GERA. Auf Einladung des DGB Ostthüringen vertrat Thomas L. Kemmerich, Kreisvorsitzender der FDP Erfurt, liberale Ansätze zum Thema "Mindestlohn" in der Diskussionsrunde im Rahmen der Thüringen-Tour "Kein Lohn unter 7,50 Euro pro Stunde".

Unter der Fragestellung "Arm in einem reichen Land - darf Arbeit arm machen?", machte Kemmerich klar, das Mindestlöhne nicht automatisch höhere Einkommen bedeuten. "Vielmehr komme es auf eine Steigerung der Produktivität an." Und: "Eine spürbare Abgabensenkung hilft den Menschen - dadurch behalten sie mehr Bares im Geldbeutel." Diesen Gedankengang konnte Eugen Weber (B90/Die Grünen) eine einfache Rechnung gegenüberstellen: "Verdient ein Familienvater statt siebenhundert eintausend Euro, hat er für mich mehr in der Tasche." Dazu Kemmerich: "Auch mit eintausend Euro wird ein Familienvater seine Familie nicht allein ernähren können, zudem bekommt er die Differenz dann nicht mehr vom Amt, sondern über den Arbeitgeber. Ob der sich diese Lohnsprünge jedoch auf Dauer leisten kann, steht auf einem ganz anderen Papier."


Zu den von Renate Licht, Vorsitzende der DGB-Ostthüringen, eingebrachten Fakten, dass allein in Gera 9000 Arbeitslose die Statistik anführen und etwa 20 000 Sozialleistungsbezieher in der Stadt registriert sind, hatte Bundestagsmitglied Volkmar Vogel (CDU) einen Zeitsprung im Repartoir: "Anstatt immer nur das Negative zu betonen, sollten wir zwei Minuten darauf verwenden, an das Erreichte zu denken. Außerdem verfügt unsere Region über genug hoch motivierte und gut ausgebildete Menschen. Das ist unsere beste Werbung!"

Dieter Hausold von den Linken machte darauf aufmerksam, wie viele innovative und vorzeigbare Firmen es in und um Gera gebe, jedoch "hinkt es bei vielen in der Marketingabteilung. Das schwächt die Unternehmen. Dafür benötigen wir den flächendeckenden Mindestlohn."

"Die Thüringer Wirtschaftspolitik hört am Hermsdorfer Kreuz auf", eröffnete Landtagsmitglied Heike Taubert (SPD) ihre Sprechzeit und appellierte an die Arbeitgeber: "Wer Mindestlöhne zahlen kann, soll dies auch tun, anstatt in immer neue Märkte zu investieren, die sich nach Kurzem als Flop erweisen." Ihr vorrangiges Ziel: "Zufrieden in Gera leben zu können. Und dazu gehören Mindestlöhne."

Thomas L. Kemmerich sah sich mit seinem Standpunkt allein gegenüber Vertretern der Parteienlandschaft, die sich vehement für eine untere Lohngrenze von 7,50 Euro pro Stunde stark machen wollten. "Die Argumente waren trotzdem nicht überzeugend", gab sich der FDP-Politiker enttäuscht "über so viel von Unwissendheit geprägter Argumentation."