Thomas l. Kemmerich - Kreisvorsitzender Erfurt
Thomas l. Kemmerich - Kreisvorsitzender Erfurt

ERFURT. Als einen den Wettbewerb verzerrenden Eingriff empfindet Thomas L. Kemmerich, Wirtschaftsfachmann der hiesigen FDP, das vor allem die großen landwirtschaftlichen Betriebe in Thüringen nach der Agrarreform der Europäischen Union mit noch weniger Subventionen rechnen müssen, obwohl sie einen Großteil der Flächen im Freistaat bewirtschaften. Tendenziell zielt die beschlossene Reform jedoch auf einen Weg, der unvermeidlich ist.

Auch der Landesvorsitzende der Liberalen, Uwe Barth, warnt vor den Folgen: "Die Landwirtschaft muss die Gelegenheit bekommen, mit den Reformen Schritt zu halten. Dass 240 Millionen Euro weniger an Direktzahlungen nach Deutschland fließen, ist ein harter Schlag. Und das in einer Zeit, in der die Finanzkrise auch nicht vor der Land- und Ernährungswirtschaft Halt macht." Hintergrund sind die beschlossenen Subventionszahlungen, die etwa vier Prozent Einnahmeneinbußen für Landwirte veranschlagen, wenn diese mehr als 300 000 Euro pro Jahr beziehen. Gerade die Thüringer Landwirtschaft ist durch größere Unternehmen geprägt, so dass die Auswirkungen hier sehr stark zu spüren sein werden.

Positiv bewerten die FDP-Politiker Kemmerich und Barth das Auslaufen der Milchquote bis 2015. Zur Vorbereitung auf die Öffnung dieses Marktes wird es einen 300 Millionen Euro schweren Fond geben, der die Übergangszeit abfedern soll. "Aber er wird teilweise über die Kürzungen der Direkthilfen für alle Landwirte bezahlt," so Kemmerich. Und weiter: "Eine echte Reform sieht anders aus. Was wir hier haben ist wieder nur eine große Umschichtung im großen Topf (5,4 Milliarden Euro) der Landwirtschafts-Subventionen in Deutschland." Die Leidtragenden sind die ostdeutschen Agrarunternehmer, die auf Investitionen verzichten müssen und eventuell Angestellte entlassen müssen.

21. November 2008 Simon