Schon jetzt bekommen Thüringer Mittelständler zu spüren, dass die Aufträge zurückgehen und die Liquidität schrumpft.

Kleine und mittelständische Unternehmen in Thüringen, nicht nur in der Automobilzulieferindustrie, sondern z. B. in der Logistikbranche und anderen Bereichen, leiden unter dem extremen Auftragsrückgang und haben spürbare Liquiditätsprobleme. Thüringen hat eine Wirtschaftsstruktur, die in den vergangenen Jahren für gute Wachstumsraten sorgte, jetzt aber, wegen der starken Exportabhängigkeit und wegen eines hohen Anteils an sensiblen Bereichen dazu führt, dass insbesondere viele kleine und mittelständische unternehmen besonders hart und besonders rasch von der begonnenen Rezession betroffen werden.

Außerdem gibt es in Thüringen einen überproportional großen Anteil extrem kleiner Unternehmen, die mit ihrer dünnen Eigenkapitaldecke häufig nur sehr schlecht auf die Rezession vorbereitet sind.

Hinzukommt, dass viele Geschäftsbanken, die in der Vergangenheit bereit waren sog. Mezzanine - Finanzierungen (Zwischenfinanzierungen) anzubieten, sich jetzt aus diesem Geschäftsfeld zurückziehen.


Die Thüringer Landesregierung hat anlässlich eines Symposiums mit AT, dem Verband der Thüringer Automobilzulieferindustrie. vorgeschlagen, dass Unternehmen in Notlage einen Bürgschaftsantrag (für Neu-Darlehen) beim Thüringer Finanzministerium einreichen solle, außerdem sollen die Anträge auf Investitionsförderung rascher bearbeitet werden etc. Diese Vorschläge gehen zum Teil in die richtige Richtung, klammern aber wesentliche Probleme der Thüringer Unternehmen - wie Liquiditätsengpässe und Eigenkapitalmangel - aus.

1. Direktkreditprogramm der TAB mit "Schnellprüfungsverfahren"
Viele kleine und mittelständische Unternehmen finden keine Geschäftsbank, die für sie beim Thüringer Finanzministerium einen Bürgschaftsantrag für ein Darlehen stellt, weil die "Hausbank" oft nicht bereit ist, die erforderlichen 20 % des zu verbürgenden Darlehens in das Eigenobligo zu nehmen. Außerdem dauert die Prüfung eines Bürgschaftsantrags erfahrungsgemäß viel zu lange. Die Thüringer Aufbaubank sollte daher "Direktdarlehen" für kleine und mittelständische Unternehmen herausgeben, die in einem "Schnellprüfungsverfahren" von der TAB geprüft und ausgereicht werden. Die Höchstgrenze für diese "Kleinkredite" sollte € 100.000 nicht überschreiten. Der Prüfungszeitraum sollte nicht mehr als 4 Wochen nach Einreichung der vollständigen Unterlagen betragen und natürlich muss eine Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer bestätigen, dass das Antrag stellende Unternehmen eine positive Entwicklungsperspektive hat. Mit einem so konzipierten "Direktkreditprogramm mit Schnellprüfung" kann einem großen Teil der kleinen und mittelständischen Unternehmen in Thüringen geholfen werden.

2. Verstärkung der Eigenkapitalbasis Thüringer Unternehmen
Der neuerliche "Run" auf das Beteiligungsprodukt "Thüringen - Kapital" der Thüringer Aufbaubank zeigt, wie dringend gerade die kleineren Unternehmen im Freistaat eine Verstärkung ihrer Eigenkapitalbasis benötigen.
Allerdings ist dieses Programm auf eine Beteiligungssumme von € 200.000 begrenzt und klammert daher diejenigen Unternehmen aus, für die € 200.000 zur Verstärkung der Eigenkapitalbasis nicht ausreichen, die aber für private Beteiligungsgesellschaften (die sich oft nicht mit Beteiligungen unterhalb von 3 bis 5 Millionen Euro engagieren) zu klein sind.
Diese Lücke sollte die Thüringer Landesregierung durch ein noch stärkeres Engagement der MBG Beteiligungsgesellschaft Thüringen mbH (die i. d. R. Beteiligungen bis € 500.000 eingehen kann) und durch eine Ausweitung des Beteiligungsangebotes der BGT Beteiligungsgesellschaft Thüringen mbH schließen.

Dr. Stefan Feuerstein
FDP Bundestagsdirektkandidat im Wahlkreis Erfurt/Weimar/Weimar Land II
Stv. Kreisvorsitzender FDP Erfurt

26. November 2008 Simon