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Vor Hintergrund des drohenden Fachkräftemangels wäre Koppelung sinnvoll

ERFURT. 1,1 Millionen Kurzarbeiter kosten 14 Milliarden Euro pro Jahr. "Die befristete Arbeitszeitreduzierung muss jedoch vermehrt dazu genutzt werden, Weiterbildungen anzubieten bzw. anzunehmen", fordert Thomas L. Kemmerich als wirtschaftspolitischer Sprecher der Thüringer Liberalen. Die Regelung, dass der Arbeitgeberanteil an den Sozialbeiträgen erleichternd abgenommen wird, wenn während der ersten sechs Monate bereits eine Weiterbildung stattfindet, greift für Kemmerich trotzdem zu kurz. Er pocht insbesondere im Hinblick auf den drohenden Fachkräftemangel mit den prognostizierten Folgen für Thüringen auf eine stärkere Koppelung zwischen Kurzarbeitergeld und Weiterbildung.



Warum kann Qualifizierung nicht als Bedingung vom ersten Tag an gestellt werden, fragt sich der FDP-Wirtschaftsexperte und verweist explizit auf einen Trend, der eng mit der Entwicklung des Kurzarbeitergeldes in der Praxis verbunden ist: Die Lohnkosten steigen massiv im Vergleich zur Produktionsleistung der Arbeitnehmer, in bestimmten Industriezweigen sogar um ein Viertel. "Wenn Arbeit durch sinkende Lohnnebenkosten nicht deutlich lohnenswerter gestaltet wird und Reformen weiter aus politischem Kalkül blockiert werden, wird trotz Kurzarbeitergeld die Entlassungswelle größer", rechnet Kemmerich vor. Weiterbildung ist nicht nur in diesem Fall eine gute Absicherung, die dem Einzelnen auch dann hilft, wenn die Binnenkonjunktur nur schleppend anspringt. Auch Firmen profitieren von fachlich qualifizierten Mitarbeitern. Kurzarbeit muss von beiden Seiten stärker als Chance wahrgenommen werden.

Dass auf der anderen Seite immer noch zu viele Stellen in Deutschland unbesetzt sind, muss sich auch in Kemmerichs Augen ändern. Flexiblere Regelungen sowie eine zügige Vermittlung können betroffenen Arbeitnehmern genauso helfen wie der nach Fachkräften suchenden Industrie. "Auf keinen Fall dürfen wir einen Zustand erreichen in dem gut Ausgebildete blockiert werden und deren Einstellung sich verzögert".