Alternativ weichen Gefahrengut-Brummis in angrenzende Ortschaften aus

ERFURT. 295 Millionen Euro kostet das Großprojekt der Untertunnelung des Jagdebergs bei Jena und trotzdem dürfen nach Fertigstellung nicht alle Transporte die sechsspurige Strecke unter Tage nutzen. Wenn ein Tunnel nach neuesten Standards gebaut wird, muss nach Ansicht des wirtschaftspolitischen Sprechers der FDP Thüringen, Thomas L. Kemmerich, auch die Installation eines Gefahrenschutzzentrums in der Kalkulation auftauchen, um die wie auch immer geregelte Durchfahrt für den gesamten Transportverkehr zu ermöglichen. Die strategisch gute Lage von Thüringen begünstigt Ansiedlung und Logistik, täglich queren tausende Lastentransporte die Verkehrsadern des Freistaates, wird eine entsprechende Zentrale für Notfälle in Tunneln jedoch nicht geschaffen, müssen auf diesem Abschnitt der A4 Gefahrenguttransporte eine Umfahrung einplanen.

Das bedeutet für Jena: Eine Alternativstrecke muss her! Das Mühltal scheidet als Trinkwasserschutzgebiet aus. Bleibt, als Variante, und ohne Ballungszentren weiträumig umfahren zu müssen, die Streckenführung durch Ortschaften rund um die Saal-Metropole. Die Anwohner von Jena sind davon so begeistert wie die Anwohner im Thüringer Wald, wo sich Tag für Tag LKWs mit als gefährlich eingestufter Ladung um den Rennsteig-Tunnel manövrieren, was besonders im Winter ein Zusatzrisiko bei Schnee und Regen darstellt, obwohl die Sicherheitsstandards auch in diesem Tunnel als sehr hoch zu kategorisieren sind. "Mit einem Gefahrenschutzzentrum an jedem Tunnel in Thüringen wäre auch die blockweise Durchquerung für Gefahrengut- LKW denkbar", argumentiert Kemmerich. "Dass man das beim Bau des Jagdebergtunnels nicht berücksichtigt, zeugt für Kemmerich von einer einseitig kurzfristigen Denkweise.
Für Spediteure hingegen bedeutet die Thüringer Tunnel-Planung, auch in Zukunft Ausweichstrecken zu nutzen um Waren zu laden und zu liefern. Abgesehen von dem Mehraufwand für Treibstoff ist es für die Branche eine nicht nachvollziehbare Blockade der Thüringer Regierung. In angrenzenden Bundesländern und vor allem in Gebieten mit viel Tunnelweg hat man sich um Lösungen bemüht und Wege gefunden.