Bürgerbefragung ist nicht bindend - Finanzierung seitens der Stadt nicht gesichert

Ob Variante 1 oder Variante 2 - Erfurt kann sich eine Umgestaltung des Angers nicht leisten. Trotzdem stellt man beide Möglichkeiten über eine Bürgerbefragung den Einwohnern zur Wahl. Und abgesehen davon, dass das es sich um eine keinesfalls verbindliche sondern lediglich um eine "ergänzende Bürgerbeteiligung" handelt wird damit der Eindruck erweckt, es gehe maßgeblich um die Frage nach einer ein- oder zweireihigen Bepflanzung. Die Argumente, die seitens der Befürworter den Umbau rechtfertigen reichen von "Ein Relikt aus Ostzeiten und nicht mehr hinnehmbar", über "mehr Schatten durch mehr Bäume", bis hin zu einem "großzügigeren Raumeindruck".

Für Thomas L. Kemmerich können diese Gründe nur eine untergeordnete Rolle spielen. Dem Fraktionsvorsitzenden der Erfurter Liberalen sind bis dato keine Mäkeleien von Touristen ob des sozialistisch-ramponierten Zustandes der Erfurter Ladenzeile zu Ohren gekommen. Und auch die angeblich aus dem Fundament ragenden Gehsteigplatten - auch so ein ins Feld geführtes Beweisstück - haben weder er noch seine Kollegen finden können.
Darüber hinaus geht der FDP die Aussagemöglichkeit der Befragung im Amtsblatt zu einseitig in Richtung eines blinden Aktionismus. "Wir plädieren ganz klar gegen eine Umgestaltung des Angers zum jetzigen Zeitpunkt. Daher wäre es auch richtig gewesen, diese Option des Bürgerwillens zu berücksichtigen," bemerkt Kemmerich. Statt dessen gaukelt man eine vage "derzeitig gesicherte Finanzierung für die einseitige Baumbepflanzungsvariante " vor, plant in blinder Umgestaltungs-Wut, gesunde Laubbäume aus dem Pflaster zu reißen und vergisst darüber hinaus, dass man sich diesen ganzen Budenzauber 2010 eigentlich gar nicht leisten kann. Die eigene Steuereinnahmenquote liegt gerade einmal bei 47 Prozent.