Kann eine Frauenquote im Job wirklich helfen?
Kann eine Frauenquote im Job wirklich helfen?

Ohne verbesserte Rahmenbedingungen erreichen Quotenregelungen keine positiven Effekte

Die Einführung einer Frauenquote in Führungspositionen (Justizminister-Treffen in Hamburg) ist für FDP-Politiker und Gleichstellungsausschuss-Vorsitzenden Thomas L. Kemmerich genauso unsinnig, wie ein verordneter Frauenanteil in kommunal besetzten Aufsichtsräten (Karola Stange) oder Ministerien (Astrid Rothe-Beinlich). Einerseits empfinden viele Frauen den Vormarsch in Richtung Chefetage dann als diskriminierend, wenn allein das Geschlecht, nicht jedoch die Qualifikation im Zweifel über eine Stellenbesetzung entscheidet. Andererseits ist die Dimension der Debatte für Kemmerich, so wie sie von Grünen und Linken derzeit geführt wird, zu einseitig ausgeleuchtet.

Noch immer haben es Frauen schwer, Kindererziehung und Job unter einen Hut zu bringen. Ein Zeichen für diesen Spagat: Gerade gut ausgebildete junge Frauen verzichten ganz auf Nachwuchs um Karriere machen zu können. Viele andere Mütter sind an Kindergarten Öffnungs- und Schließzeiten oder Ferien gebunden, können sich Angebote nicht leisten oder verzagen mit der Angst, den Kindern als arbeitende Mutter keine gute Mutter mehr zu sein.
Durch eine veraltete Familienpolitik, die den Herausforderungen von heute und morgen schon lange nicht mehr gewachsen ist und wenig flächendeckend-flexiblen Angeboten, gaukeln Frauenquoten vor, allein dieser durchsetzbare Anteil wäre eine Lösung. Faktisch verändert eine Quote aber nicht die ungünstigen Ursachen dieser Entwicklung. Die Realität sieht anders aus, weiß Kemmerich aus Gesprächen mit Familien- und Sozialverbänden. "Wenn wir nichts für eine an den konkreten Bedürfnissen der Frauen orientierten Kinderbetreuung tun, boxen wir Quoten für unser Gewissen durch, lösen aber keines der Probleme von Frauen in Führungs- und Aufsichtspositionen", so Kemmerich.
Das sich nun auch Wirtschaftsverbände einschalten und unterstreichen, Kompetenz und Leistung sind noch immer die wichtigsten Kriterien in Personalfragen, kann Kemmerich nachvollziehen. "Alles andere ist reine Augenwischerei!"