Auch einen Dackel kann man zum Kampfhund machen
Auch einen Dackel kann man zum Kampfhund machen

Kemmerich gegen Rasselisten und für Hundeführerschein, Pflichtversicherung und Verbot von Hobbyzuchten

"Eine Rasseliste für Hunde ist rassische Diskriminierung," ärgert sich FDP-Stadtrat und Landtagsabgeordneter Thomas L. Kemmerich über den Umgang mit den als gefährliche eingestuften Vierbeinern. Ohne Sachkenntnisse wird eine Debatte angestoßen, deren einzige Rechtfertigung in der medial geschürten Angst der Menschen vor so genannten "Kampfhunden" begründet ist. Die Realität sieht anders aus: Experten warnen vor einer Fixierung auf Rasselisten und Haltungsverbot. Am Beispiel der Stadt Köln kann man die Folgen beobachten: Vor Gericht haben die strikten NRW-Vorgaben kaum Bestand, die Tierheime sind voll mit "Listen-Hunden", der Stadt entstehen Kosten im Bereich einer halben Million Euro pro Jahr und Halter dieser Terrier-Rassen werden beschimpft und mit hohen Hundesteuersätzen belegt. Bundesländer mit rigiden Kampfhunde-Verboten rudern nach und nach zurück. Bisher besann man sich auf das Thüringer Modell, die hiesige Gefahrenhundeverordnung gilt als beispielhaft. Das reicht nun scheinbar nicht mehr aus. Das Innenministerium in Erfurt preschte nach vorn und legt einen Gesetzesentwurf vor, der Sicherheit vorgauckelt, in den Nachbarländern jedoch nach ernüchternden Ergebnissen schon lange wieder im Aktenschredder gelandet ist.

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Um eine vernünftige Basis zu finden vertraut FDP-Politiker Kemmerich auf die Empfehlungen des Tierschutzbundes. "In vielen Fällen ist das Problem am anderen Ende der Leine zu finden," weiß er nach vielen Gesprächen mit Hundehaltern und Fachleuten. Oftmals verkennen Menschen die Besonderheiten und Bedürfnisse ihres Haustieres und registrieren meist zu spät den Ernst der Lage. Die Thüringer Beissstatistik wird immerhin von Schäferhunden - des Deutschen liebster Rasse - angeführt, gefolgt von den gern als Familienhund zugelegten Golden Retrievern und Labrador Retrievern. Mit großem Abstand erscheinen die als "Kampfhunde" geführten Vierbeiner. Das Ziel: Ein Hundeführerschein, wie es ihn seit 2008 in der Schweiz gibt, möchte Kemmerich auch in Thüringen einführen lassen. Schon vor dem Kauf eines Hundes wird der künftige Halter auf sein Tier vorbereitet und legt später eine Prüfung ab. "Das ist kein Aufwand, kommt aber beiden zu Gute - Hund wie Mensch." Zudem verlangt Kemmerich die Pflicht zur Hundehaftpflichtversicherung sowie das Verbot von Hobbyzuchten und illegalen Welpen-Importen, von denen laut Tierschutzverbund eine große Gefahr aus geht. "Ein Erste-Hilfe-Kurs für Fahrschüler ist ebenso selbstverständlich wie der Abschluss einer Autoversicherung. Warum sollte es dann nicht auch mit Hundeführerschein und Versicherungsschutz für Hunde klappen?" fragt Kemmerich.
Ein entsprechender Entwurf liegt als Korrektiv zum Gesetzesentwurf, der möglicher Weise im September im Plenum beraten wird, bereits in der Landtagsfraktion vor. "Ich bin optimistisch, das viele positive Beispiele aus anderen Ländern sowie wissenschaftliche Erkenntnisse doch noch dazu beitragen werden, einen angemessenen Umgang mit dem Thema zu ermöglichen", so Kemmerich abschließend.