Geschlossene Türen am 10.10.2010
Geschlossene Türen am 10.10.2010

Standesamt weigert sich an einem Sonntag zu öffnen - heiratswillige Paare sind sauer

Als einen typischen Akt deutscher Bürokratie muss man die Antwort der Verwaltung einordnen, die die FDP-Fraktion im Erfurter Stadtrat auf ihre letzte Anfrage bezüglich des geschlossenen Standesamtes am 10.10.2010 ereilte. Dort heißt es wortwörtlich: "Die Dienst- und Öffnungszeiten des Standesamtes werden von diesem eigenständig im Rahmen des für das Standesamt geltenden Arbeitszeitmodells - welches Eheschließungen an Sonn- und Feiertagen nicht vorsieht - geplant. Die Einhaltung der Arbeitsruhe an einem Sonntag kann dabei grundsätzlich nicht als wenig bürgerfreundlich qualifiziert werden, vielmehr bewegt sie sich im Rahmen des durchaus üblichen."

Dazu TA vom 26.08.2010

Dazu TA vom 27.08.2010

Als eine bodenlose Frechheit und sture Verweigerung bezeichnet Fraktionschef Thomas L. Kemmerich die Einstellung der Behörde. "Ein Datum wie den 10.10.2010 verstreichen zu lassen, leistet sich Erfurt exklusiv. Die Arbeitsruhe vorzuschieben ist ein wenig plausibler Grund," ärgert sich der Liberale. Andere Städte reagieren wesentlich flexibler und kommen den Wünschen der Paare entgegen. In Jena zum Beispiel ist dieser Sonntag - trotz erhöhter Gebühren, die immer außerhalb der regulären Öffnungszeiten anfallen - bereits seit Monaten ausgebucht. Für Kemmerich ist ein Amt in erster Linie Dienstleister für den Bürger. Auch in Erfurt hätten sicher gern viele Heiratswillige an genau diesem Sonntag ihr Ja-Wort gegeben, verärgerte Zuschriften haben die FDP-Fraktion erst stutzig werden lassen. Da sich das Standesamt trotz einer Anfrage zu Beginn des Jahres nicht umstimmen ließ, wird sich der Stadtrat in seiner anstehenden August-Sitzung wieder grundsätzlich mit dem Thema beschäftigen müssen.