Ohne bedarfsgerechte Kinderbetreuungsmöglichkeiten stehen familienpolitische Transferleistungen dem Kind-und-Karriere-Modell entgegen

Zu den Forderungen nach einer Frauenquote in Führungsetagen bemerkt der Vorsitzende des Gleichstellungsausschusses im Thüringer Landtag, Thomas L. Kemmerich, dass die aktuelle Diskussion am Kernproblem vorbei geht. Solange es keine adäquaten Möglichkeiten der Kinderbetreuung gibt, wird auch eine Quotenregelung den Anteil von Frauen in leitenden Positionen nicht erhöhen. Noch immer, so Kemmerich, basiert das System der Familienpolitik auf Transferleistungen. Zumindest für ein Elternteil bedeutet Nachwuchs damit das staatlich geförderte Ende der Karriere. Erziehungsgeld, Elterngeld, Kindergeld... diese Zahlungen fördern nicht das berufliche Fortkommen sondern vielmehr das Ende bzw. eine längere Pause im Job. Eine Frauenquote steht dem gegenüber, schafft aber keine Alternativen, um sich nicht zwischen Kindern und Karriere entscheiden zu müssen.

Artikel TLZ 02.02.2011 - "Heftige Kritik an der Quote"

Welches Ziel Bundesfamilienministerin Schröder verfolgt, wenn Sie den Anteil von Frauen in Führungsetagen erhöhen will, kann Kemmerich nicht nachvollziehen. Ob nun gestaffelt, im Stufenmodell oder auf Basis der Freiwilligkeit, am Ende müssen auch Frauen, wie ihre männlichen Kollegen, mit Leistung und Persönlichkeit überzeugen - und Sie müssen sich frei für eine Variante entscheiden können. Zudem: Aktuelle Studien belegen, dass es gerade bei der Bennennung von Führungs- und Vorstandsposten in erster Linie auf eine Dauerpräsenz für das Unternehmen ankommt, also ein Rund-um-die-Uhr-Job auf Jahre. Schon allein daran scheitern viele Mitarbeiterinnen. Spitzenverbände bemängeln zudem die geringe Bewerberquote von Frauen. Oftmals fehle es schlicht an genug weiblichen Kandidaten.
"Unterm Strich brauchen wir mehr bedarfsgerechte Kinderbetreuungsmöglichkeiten, dann können auch mehr Frauen die Führungsetagen erobern," so Kemmerich.