Kommunalwahl

Erfurt hat große Chancen

Am Sonntag fällt die Entscheidung bei den Wahlen zum Stadtrat Erfurt. Die FDP hat gute Chancen, in das Kommunalparlament zurückzukehren. Was werden die Liberalen anpacken?

Ein Gespräch mit Heinrich Arens, FDP-Spitzenkandidat für den Erfurter Stadtrat

Herr Arens, was lieben sie an Erfurt besonders?
Arens Erfurt zeigt eine ganz deutliche positive Entwicklung. Doch wir brauchen konsequente Korrekturen, um den Aufwärtstrend nicht zu gefährden. Es gibt inzwischen dringenden Handlungsbedarf.

Was meinen sie damit?
Arens Die Erfurter Bürger haben zum Beispiel ein Recht auf eine schlanke Verwaltung. Wenn ich die Unzahl der sinnlosen Verordnungen sehe, kann ich nur eines sagen: abschaffen. Mit dem gewonnenen Freiraum wächst auch die Verantwortung der Menschen für ihre Stadt.

Haben sie dafür ein Beispiel?
Arens Wer als Gastronom oder Kaufmann ein Schild vor seinen Laden stellt, muß sich das genehmigen lassen und Geld bezahlen. Wer als Bürger einen Blumenkübel auf dem Gehweg vor seinem Haus aufstellt, bekommt Ärger. Das ist doch sinnlos, oder nicht?

Aber wer anderen die Häuserwände beschmiert, wird nicht bestraft!
Arens Sie sprechen damit das leidige Thema Sprayer an. Auch mich ärgern die Verschandelungen. Ich bin dafür, die illegalen Sprayer zur Verantwortung zu ziehen. Aber gleichzeitig finde ich es wichtig, den kreativen jungen Menschen einen Freiraum anzubieten, in dem sie sich verwirklichen können. In Jena wird so etwas erfolgreich praktiziert.

In Erfurt gibt es aber doch gar kein Geld für Jugendinitiativen?
Arens Geld gäbe es, wenn man sinnvoll spart. Ich habe inzwischen eine lange Liste mit realistischen Vorschlägen, die keinem Bürger wehtun. Allerdings müssen dabei einige alte Zöpfe abgeschnitten werden.

Gibt es in Erfurt zu viel Kriminalität?
Arens Viele Bürger fühlen sich in Erfurt nicht mehr sicher. Wer nachts Straßenbahn fährt, bekommt es oft mit der Angst zu tun. Der Anger wird zunehmend ein Handelsplatz für Drogen - und viel zu viele schauen tatenlos zu. Wir brauchen an diesen Stellen eine unkomplizierte Zusammenarbeit mit der Polizei.

Leidet darunter auch der Tourismus in Erfurt?
Arens Ja, weil Touristen nur in einer Stadt bleiben, wenn sie sich dort wohl fühlen. Außerdem gibt es viel zu wenige vernünftige Initiativen in Sachen Tourismus in Erfurt. Die positive Entwicklung steht und fällt damit, was das Verkehrsministerium so nennt: "City 21 - Bündnis für lebendige Innenstädte". In dieser Studie werden glasklar Möglichkeiten benannt, wie Städte vorankommen können. Man braucht sie nur umzusetzen.

Was wäre ihr erste Initiative, wenn sie in den Erfurter Stadtrat gewählt werden?
Arens Die Herabsetzung der Straßenbahnpreise. Damit ließe sich bis zu 30 % mehr Umsatz machen, während der einzelne Bürger bares Geld spart. Außerdem wird die Innenstadt vom Autoverkehr entlastet.