Unausgereiftes System setzt nicht an Grundproblem an - Verschiebung statt Vermeidung - alternative Gesamtkonzepte gefragt

"Die Umweltzonen sind in ihrer momentanen Umsetzung kein tragbares Konzept, das wir nach Thüringen importieren sollten," äußert sich Thomas L. Kemmerich zu der Diskussion darüber, ob und wann auch in Erfurt für Autos mit alter Katalysatoren-Technik Tabu-Zonen für die Durchfahrt ernannt werden. Eingerichtet, um die Feinstaubbelastung in den Innenstädten zu senken, sorgen die Bereiche für weniger Luftverschmutzung - die sogenannten "Umweltzonen" - aber immer noch überwiegend für Unverständnis und Ärger. "Solange es einseitig um Fahrverbote geht und den Bürgern ein unausgereiftes System vor die Nase gesetzt wird, das nicht auf breiter Front akzeptiert wird, ist es besser man sucht nach Alternativen," so der Liberale Stadtrat. Denn die Ergebnisse aus NRW, wo es Umweltzonen schon seit längerem gibt, sind eher ernüchternd: Nur jedes fünfzigste Auto trägt die rote Plakette, für die die Durchfahrt verwehrt bleibt. Zumeist trifft es Handwerker, städtische Fahrzeuge oder Zulieferer, für die die Kosten von Umrüstung oder Neukauf ihrer KfZ-Flotte ein großes Problem darstellen. Unterm Strich verlagert sich die Gesamt-Feinstaubbelastung, die Umweltbelastung durch Umweltzonen wird jedoch nicht generell gesenkt.

Für Erfurt sieht Kemmerich einzig einen Weg, in dem auf lokaler Ebene Maßnahmen wie Verkehrslenkung, Routenkonzepte für LkW, "grüne Wellen" und attraktive, umweltfreundliche Alternativen geschaffen, erhalten und ausgebaut werden. Es dürfe jedoch nicht sein, dass Umweltzonen die Betroffenen unverhältnismäßig belasten. Denn wenn sich wie im Ruhrgebiet das Streitthema "Umweltzone" nur noch auf Plaketten-Roulette und Ausnahmegenehmigungen reduziert, kommt man immer mehr vom Sinn der Umweltzonen-Installation weg. Kemmerich kündigt dazu an: "Sollte auf dem Weg zur Umweltzone keine klare Linie erkennbar sein, ziehen wir eine Parlamentarische Initiative In Betracht."