Landtag

Die Meinungen über anzügliche Äußerungen von FDP-Spitzenmann Rainer Brüderle sind geteilt. Thüringer diskutieren über Sexismus im Alltag.

Die Berichterstattung im Fall Brüderle sei völlig übertrieben. Das meint auch Thomas Kemmerich , FDP, der dem Gleichstellungsausschuss im Thüringer Landtag vorsitzt. Er mahnt zu Augenmaß und sagt: "Sexuelle Belästigung gibt es. Man sollte sie nicht kleinreden. Natürlich gibt es Grenzen im Umgang miteinander. Klar ist aber auch: Wer in einem Hotel abends an die Bar geht, sollte nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen."
Tatsächlich ergab die gestrige Nachfrage im Büro der Thüringer Gleichstellungsbeauftragten die Antwort, dass derartige Beschwerden bislang nicht eingegangen seien. Auch bei den den kommunalen Gleichstellungsbeauftragten gehe es vor allem um häusliche Gewalt.
Allerdings verzeichnet die Antidiskriminierungsstelle des Bundes derzeit ein deutliches Plus bei den Meldungen derartiger Vorfälle. Die Zahl der betroffenen Frauen, die sich an die Stelle wendeten, seien seit der Debatte gestiegen, hieß es.
Das FDP-Präsidium stellte sich gestern in Berlin demonstrativ hinter Brüderle. Die Veröffentlichung des "Stern" sei "unfair und auch nicht gerechtfertigt", sagte Generalsekretär Patrick Döring nach der Sitzung. (Thüringer Allgemeine, 29.1.2013)