Kemmerich: "Landtag verweigert Debatte über bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf"

ERFURT. "Dass Thüringen heute bei der Kinderbetreuung bundesweit Vorbildcharakter hat, ist anerkennenswert. Doch die Möglichkeiten der Kinderbetreuung müssen dennoch weiterentwickelt werden und an die Anforderungen der modernen Zeit angepasst werden", fordert der Vorsitzende des Gleichstellungsausschusses des Thüringer Landtags, Thomas L. Kemmerich. Entsetzt zeigte er sich über den "unsachlichen und an Familienunfreundlichkeit grenzenden Verlauf" der heutigen Parlamentsdebatte zum FDP-Antrag "Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern". "Nicht einmal eine weitere Diskussion in den Ausschüssen ließen die Vertreter der Regierungsfraktionen zu dem wichtigen Thema zu", stellt Kemmerich, der selbst Vater von sechs Kindern ist, enttäuscht fest.

"Durch eine Umsetzung von Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf würden die Karrierechancen von Frauen steigen", ist Kemmerich weiter überzeugt. Damit könnte das Potenzial gut ausgebildeter Fachkräfte voll ausgeschöpft und der Thüringer Mittelstand gestärkt werden. "Chancengleichheit für Frauen ist eine Chance für Unternehmen und damit für Thüringen", so der FDP-Wirtschaftsfachmann Kemmerich. Die Frage der Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Kinderbetreuung gewinne für alle Unternehmen sowie für freiberuflich Tätige immer mehr an Bedeutung.

"Arbeitszeiten sind heute nicht mehr nur von 9 Uhr bis 17 Uhr. Daher müssen für betroffene Eltern, die auf frühere sowie längere Öffnungs- bzw. Randzeiten angewiesen sind, zeitlich flexiblere Bedarfs- und am Kindeswohl orientierter Kinderbetreuungsmöglichkeiten gemeinsam mit den Thüringer Kommunen, ausgebaut werden", so Kemmerich. Landesweit fehlten etwa 600 Kinderbetreuungsplätze. Der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ab August 2013 werde in Jena und Erfurt kaum erfüllbar sein. Daher müsse man auch die verstärkte Förderung von privaten Initiativen sowie Betriebskindergärten unterstützen, statt sie durch unnötige "Papier-Bürokratie" zu blockieren, fordert Kemmerich abschließend. (jp)