Landtag

Kemmerich: "Negativem Pendler-Saldo im Freistaat gegensteuern"

ERFURT. "Thüringen muss verstärkt Anreize schaffen, dass junge Menschen für ihre Ausbildung in der Heimat bleiben. Insbesondere soll eine wohnortnahe Beschulung sichergestellt werden. In diesem Zusammenhang sollte die Möglichkeit eines 'Semestertickets' für Berufsschüler geprüft werden", so Thomas Kemmerich, wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Thüringer Landtag. "Die in Thüringen fehlenden Fachkräfte hemmen das Wachstum von Unternehmen und bedrohen bereits teilweise die Unternehmensnachfolge", so Kemmerich weiter.

Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums pendeln gegenwärtig 2275 Auszubildende in benachbarte Bundesländer und nur 2036 Auszubildende nach Thüringen. Das Pendler-Saldo des Freistaats ist daher negativ. "Wir müssen nicht nur die eigenen Fachkräfte frühzeitig fördern und fordern, sondern die Zuwanderungs- und Integrationspolitik verstärkt am Bedarf des Arbeitsmarkes orientieren und zum Nutzen der Wirtschaft neu ausrichten", fordert Kemmerich. "Die Attraktivität der Berufsausbildung im dualen System hängt nicht zuletzt davon ab, dass eine berufsbildende Schule in erreichbarer Entfernung zum Wohn- oder zum betrieblichen Ausbildungsort ein Angebot vorhält, das den Anforderungen des gewünschten Ausbildungsberufs entspricht", betont der liberale Wirtschaftsexperte.

Die FDP-Fraktion hatte bereits im Januar einen Antrag in den Thüringer Landtag eingebracht, in dem eine verlässliche mittelfristige Berufsschulnetzplanung forderte, die den Ausbildungsbetrieben und Ausbildungsinteressierten mehr Planungssicherheit gibt. Aufgrund des demographischen Wandels ist es absehbar, dass in Zukunft die Zahl der Ausbildungsberufe zunimmt, in denen der Berufsschulunterricht nur in Landesfachklassen und damit häufig weiter entfernt vom Wohn- oder Arbeitsort angeboten werden kann. "Es besteht die Gefahr, dass die freie Berufswahl durch hohe Fahrtkosten für die Auszubildenden ungerechtfertigt eingeschränkt wird", so Kemmerich. Er erneuert deshalb die Forderung an die Landesregierung, die Möglichkeit eines "Semestertickets" für Berufsschüler zu prüfen. (jp)