"Nur der Bund hat es in der Hand, die ein halbes Jahr und länger dauernden Asylverfahren durch Entbürokratisierung, bessere Abstimmung der Behörden und zielgerichteten Personaleinsatz zu verkürzen. Deshalb muss er auch die Kosten für die Unterbringung der Flüchtlinge in dieser Zeit übernehmen", so Thomas L. Kemmerich, erfahrener Kommunalpolitiker und Mitglied im FDP-Bundesvorstand. "Der Bund hat Rekordeinnahmen, lässt aber vor allem die Kommunen bei der Frage, wer die Kosten für die Flüchtlingsaufnahme übernimmt, im Regen stehen", Kemmerich weiter.

Der Bund ist bislang vor allem für die Bearbeitung der Asylanträge zuständig, die Bundesländer sorgen für die Erstunterbringung der Flüchtlinge und die Kommunen anschließend für Versorgung sowie Unterbringung. "Wenn aufgrund des Antragsstaus und der schlecht vorbereiteten Verwaltung Asylverfahren jetzt viele Monate dauern, dann verstehe ich die Sorgen der Städte und Gemeinden mit oft klammen Kassen, die nicht mehr wissen, wie sie so lange die Unterbringung von bis zu einer Million Menschen im Jahr 2015 gewährleisten und finanzieren sollen." Die bange Frage, wer das bezahlen solle und wie die Kommunen trotzdem ihre weitere Pflichtaufgaben für die Bevölkerung erfüllen können, sei laut Kemmerich vollkommen legitim. Der Wirtschaftsexperte schlägt eine klare Anreizsetzung vor: "Wenn der Bund diese Lasten schultern muss, werden wir erleben, wie die Dauer der Verfahren Stück für Stück verkürzt, Bürokratie abgebaut und das Personal sinnvoll eingesetzt wird." Zurzeit dauern Asylverfahren laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Thüringen im Durchschnitt 5,5 Monate, in anderen Bundesländern bis zu acht Monate. "Das ist viel zu lang. Wir müssen eine Verkürzung auf höchsten drei Monate erreichen", fordert Kemmerich.

Aber selbst dann erfordere die aktuelle Situation einen nationalen Kraftakt. "Es war vorhersehbar und schon lange gewarnt worden, dass die Flüchtlingszahlen aus den Krisengebieten im Nahen und Mittleren Osten drastisch steigen werden. Diesen Menschen müssen wir helfen und Schutz geben. Das gebietet allein der Humanismus", so der Unternehmer. Für die jungen Menschen aus dem Balkan, deren Anträge in etwa die Hälfte ausmachen, die aber kaum eine Aussicht auf Asyl haben, müssen legale Wege zur Zuwanderung geschaffen werden. "Wir benötigen dringend ein Einwanderungsrecht mit klaren und transparenten Regeln, z. B. durch ein Jobsuchervisum und ein Punktesystem nach kanadischem Vorbild. Dann wird das Asylsystem entlastet, die zentrale Aufgabe der Integration kann angepackt und Zuwanderung zur Chance gerade für die jetzt besonders belasteten Kommunen werden."