Wenn Jugend integriert wird, fühlt sie sich wohl - In Leutenberg wird Debatte angestoßen
Von OTZ-Redakteurin Ute Häfner Schweinbach. Eine Sozialraumkonferenz war Freitagabend für die Einheitsgemeinde Leutenberg in Schweinbach angesetzt worden. Eine gestelzte Bezeichnung für eine Veranstaltung, die Bürgermeister Ernst Tänzer (parteilos) initiierte hatte mit dem Ziel, mit jungen Leuten, Eltern, Vereinen und Jugendarbeitern ins Gespräch zu kommen, um zu erfahren, wie wohl sich die Jugend auf dem Land fühlt und was getan werden muss, um sie auf dem Land zu halten.
Der Jugendförderverein Saalfeld-Rudolstadt hatte im Vorfeld 79 Leutenberger, darunter 54 junge Leute, befragt. Fazit: Die Mehrzahl der Jugend fühlt sich wohl und will gern bleiben. Aber einiges müsste verbessert werden. Jugend braucht eigene Räume und Treffpunkte, wünscht sich mehr Sport- und Freizeitangebote und möchte in der Gemeinde gehört werden. Vor allem die Altersgruppe der 14- bis 17-Jährigen stand im Mittelpunkt der anschließenden Debatte.
Während die Leutenberger Jugend von zu wenigen Angeboten in der Kommune spricht, klagen die Vereine über fehlenden Nachwuchs. Sich mit jugendgemäßen Angeboten öffnen, empfahl FDP-Stadträtin Elke Wolfgram. Sie selbst leitet den La Vida Dance and Fun Club, der wie der FCL und die BSG bei der Jugend gut ankommt. Wolfgram erklärte sich bereit, künftig mehr Kreativangebote für junge Leute zu unterbreiten, die die sich wünschen. Beim Aufbau einer Capoeira-Gruppe will ihr der Jugendförderverein helfen.
Von Eltern kam der Vorschlag, über die durchaus vorhandenen Freizeitangebote in der Einheitsgemeinde jugendgemäßer zu informieren, per Internet, Gemeindenachrichten und Jugend-Infokasten. Vor allem 14- bis 17-Jährige könnten aufgrund schlechter öffentlicher Verkehrsstrukturen ihren Heimatort kaum verlassen, wenn Eltern nicht die Initiative ergreifen. Radwege könnten hier Abhilfe schaffen, jedoch wird es sie aus finanziellen Gründen nicht so schnell geben. Einen Spielplatz für Kinder über zwölf Jahren mit Grillplatz, Bauwagen, Tischtennisplatte und Volleyballnetz schlug Stadträtin Helga Zapf (FDP) vor. Zu mehr Gelassenheit bei der Betrachtung der 14- bis 17-Jährigen riet Mutter Sabine Raab. "Die wollen oft einfach nur abhängen und draußen sein, und diese Freiheit brauchen sie auch."
Einen Jugendbeauftragten wollte die Stadt Leutenberg bereits vor zwei Jahren einstellen, jedoch gab es keine Bewerber. Das Thema wird man nochmals angehen, versicherte Tänzer, der in rund sechs Monaten zu einer zweiten Runden einladen will.Wer junge Leute im Verein haben will, muss für sie attraktiv werden.

05.11.2007 OTZ - Ostthüringer Zeitung