Landesvertreterversammlung

FDP-Landesparteitag wählte Kandidaten für die Listen zur Bundes- und Landtagswahl
Von OTZ-Redakteur Henning Johr FDP-Landeschef Uwe Barth war nach der Listenaufstellung für die Wahlen zum Landtag und zum Bundestag im kommenden Jahr erleichtert.

Auf der Landesvertreterversammlung am Sonnabend in Erfurt klappte es mit den Kandidaten genauso, wie er es sich gemeinsam mit dem Vorstand ausgemalt hatte. Alle Wunschkandidaten bekamen die erforderliche Mehrheit. Es zahlte sich aus, dass ein ausgewogenes Personaltableau offeriert wurde, bei dem sowohl die Regionen des Landes als auch politische Fachgebiete berücksichtigt waren.

Für den Bundestag sollten der "Youngster" Patrick Kurth und der bereits im Rentenalter stehende Peter Röhlinger kandidieren. Zwei Tage vor dem Wahlparteitag, als sich schon Kampfkandidaturen abzeichneten, schlug der Jenaer Ex-OB dem Landeschef eine Strategie vor, mit der dann die Delegierten überrascht wurden. Röhlinger lehnte freiwillig die Nominierung für Platz 1 ab. Damit machte er den Weg für den 32-jährigen Generalsekretär frei, der sich locker gegen den Erfurter Kreisvize Stefan Feuerstein durchsetzen konnte. Auf dem aussichtsreichen zweiten Platz hatte dann Volker Weber aus dem Kreisverband Saalfeld-Rudolstadt keine Chance gegen den Jenaer, der mit einer witzigen, lockeren Vorstellungsrede die Sympathien der Delegierten auf seine Seite gezogen hatte. 100 Stimmen für Röhlinger, 31 für Weber.

Barth, der zur Zeit Bundestagsabgeordneter ist, hatte schon Monate zuvor versprochen, sich ohne Netz und doppelten Boden allein auf die Landtagswahl zu konzentrieren. Die Versammlung honorierte seine Anstrengungen, die Thüringer Liberalen nach 15 Jahren wieder in den Landtag führen zu wollen mit einem Superergebnis: 121 Delegierte stimmten für ihn als Spitzenkandidat, nur sieben gegen ihn. Damit erreichte er ein fast gleich gutes Ergebnis wie bei der Wiederwahl zum Landeschef Mitte September in Zeulenroda. Dort bekam er sogar knapp 97 Prozent der Stimmen.

Der Alt-Liberale Ulrich Fickel, Wissenschaftsminister in der ersten Thüringer Nachwenderegierung, überreichte dem 44-Jährigen symbolträchtig eine Thüringen-Fahne. Die soll nach der Wahl im nächsten Jahr im Sitzungssaal der FDP-Landtagsfraktion ihren Platz finden , sagte er. "Diesmal haben wir allerbeste Chancen, den Sprung über die 5-Prozent-Hürde zu schaffen."

Bis Platz 7 der Landtagsliste schafften es alle vom Vorstand aufgestellten Kandidaten. Darunter die Ostthüringer Dirk Bergner (Kreisverband Greiz) und Marian Koppe ( Saalfeld-Rudolstadt).

Zusammen mit Franka Hitzing (Nordhausen), Thomas Kemmerich (Erfurt), Lutz Recknagel ( Schmalkalden-Meiningen) und Heinz Untermann (Sömmerda) ist die Mannschaft aufgestellt worden, die eventuell die FDP ab Herbst 2009 im Landtag vertreten könnte.

Ein Wunschergebnis ließ sich Barth nicht entlocken. Mit Blick auf die zahlreichen Umfragen in diesem Jahr, bei denen die Liberalen so stabil wie sonst nie zwischen fünf und sechs Prozent lagen, blickt er optimistisch in die Zukunft. "Wir liegen jetzt stabil in der Wählergunst, außerdem entschieden sich unsere Wähler traditionell sehr spät", glaubt er fest daran, den Sprung in das Parlament zu schaffen.

Barth hatte die Delegierten mit einer knackigen Rede auf den Wahlmarathon eingestimmt. Er beschwor "demonstrative Geschlossenheit" Vom Parteitag aus müsse ein Zeichen gesetzt werden, dass die FDP im Land Verantwortung übernehmen will, forderte er seine Parteifreunde auf, bei der Listenaufstellung persönliche Befindlichkeiten hintenan zu stellen.

Zitat: "Wir sind der Anwalt der Arbeitenden und der Arbeitsuchenden."


07.12.2008 OTZ - Ostthüringer Zeitung