Und jetzt wollen die auch noch Oberhof wieder aufmachen, heißt es leicht besorgt aus der Chefetage eines Thüringer Erlebnisbades. Besitzt doch der Freistaat ohnedies schon eine recht hohe Bäderdichte.

Es sei, darauf insistiert Stephan Krauß, Sprecher des Thüringer Wirtschaftsministeriums, noch nichts konkretes entschieden, was die Förderung eines neu oder wieder zu eröffnenden Bades aus Landesmitteln betrifft. Zur Erinnerung: Die Stadt Oberhof hatte die unwirtschaftlich arbeitende Therme 2008 geschlossen doch hatte sich eine Bürgerinitiative gegründet, die sich für eine Wieder- bzw. Neueröffnung der Therme stark machte.

Knut Korschewsky, der für die Fraktion der Linken im Thüringer Landtag sitzt, erklärt, warum: "Als eines der wichtigsten Anziehungspunkte Thüringens muss Oberhof ein ganzheitliches touristisches Angebot haben." Dies sei nach der Schließung des Bades nicht mehr gegeben gewesen. Die Begründung, die Therme habe nicht wirtschaftlich gearbeitet, ist für Korschewsky kein Argument, denn Bäder seien per se nichts, womit sich hohe Gewinne erwirtschaften ließen. Es stimme schon, räumt er ein: In den Neunziger Jahren seien Thüringer Bäder "wie Pilze aus dem Boden geschossen." Daher müsse in Oberhof auch kein wahnsinnig überdimensioniertes Spaßbad entstehen. Allerdings: Ein Bad müsse her.

Und wie beurteilt der Rest der Opposition des Freistaats die hohe Bäderdichte? "Es gibt in Thüringen zu viele Spaßbäder", urteilt
Jennifer Schubert , die baupolitische Sprecherin der Grünen. Die landesweiten Planungen zu den Besucherzahlen seien eindeutig unrealistisch gewesen. Dies schlage sich in den Bilanzen der bestehenden Bäder nieder ganz zu schweigen von der "zum Teil katastrophalen Energiebilanz."

Die Grünen lehnen daher einen weiteren Ausbau dieser Strukturen ab "zumal die Kommunen mit den unkontrollierbaren Mehrkosten allein gelassen werden." Woran sich Schubert außerdem stört: Erlebnisbädern wie dem Jenaer Galaxsea ermangele es aufgrund der ungenügenden Größe des Schwimmbeckens an ausreichenden Möglichkeiten für Schwimmer.

Ähnlich die Argumentation der Liberalen. Er habe prinzipiell nichts gegen Spaßbäder einzuwenden, so der sozialpolitische Sprecher der FDP Marian Koppe. Allerdings: In den Bau von Einrichtungen wie dem Rudolstädter "Saalemaxx" seien bereits Fördermittel in Größenordnungen geflossen. Und das, obwohl das nur knappe vierzig Autominuten entfernte Galaxsea in Jena etwa zeitgleich in Angriff genommen worden war. Die Entfernung zwischen beiden, kurz hintereinander im Zeitraum 2001/02 eröffneten Bädern sei viel zu gering. Ein Spaßbad aller 150 oder 200 Kilometer, das reiche völlig. Dass ein solches Bad die Attraktivität einer Region erhöhe, sei keine Frage. Indes: Rechnen müsse es sich trotzdem. Auch er bemängelt vor allem im Hinblick auf Schul- oder Wettkampfsport die eher geringe Größe der Schwimmbecken.

Fraktionskollege Dirk Bergner sieht die Bäderdichte insbesondere vor dem Hintergrund des Bevölkerungsrückgangs, gerade in schwierigeren Regionen, mit Sorge. Allerdings seien Bäder wie das Waikiki in Zeulenroda nun einmal da. "Jetzt ist es an der Zeit, sich Gedanken zu machen, wie so ein Bad, etwa durch bestimmte Veranstaltungen oder gezieltes Marketing aufgewertet werden kann", konkretisiert er.

Ungeachtet des Bewusstseins der Problematik einer hohen Bäderdichte herrscht über eines Einigkeit in weiten Teilen der Thüringer Politik. "Wir müssen das Beste daraus machen", lautet der Grundtenor. In den Chefetagen der Bäder wird das ganz ähnlich gesehen. Bäder, erhellt Klaus K. Kübler, Geschäftsführer des Waikiki, hätten stets das Problem, dass sie ohne Hilfe der Kommunen ihren laufenden Betrieb nicht finanzieren können.

Das 1997 eröffnete Waikiki habe keine Aktien an der hohen Bäderdichte, sei es doch das erste Erlebnisbad im Freistaat gewesen. Damals, weiß Kübler, herrschte ein großer Ansturm. Von überall her seien Badefreudige nach Zeulenroda gekommen. "Man darf sich da aber keine Illusionen machen", sagt er. Nach spätestens drei Jahren gingen die Besucherzahlen stets nach unten. Deswegen den Schwerpunkt Familienbad völlig umzukrempeln oder Schwimmeister zu entlassen, das steht für Kübler allerdings nicht zur Diskussion. Als "eine wichtige Entscheidung" betrachtet er es, die technische Betriebsführung an die Ostthüringer Wasser- und Abwasser GmbH in Gera abgegeben zu haben eine Parallele zum dort ansässigen Hofwiesenbad.

Zusammenarbeit statt falschen Konkurrenzdenkens dies ist auch das Rezept von Saalemaxx und Galaxsea. Nicht nur, wel Saalemaxx-Geschäftsführerin Susan Nosek unlängst aus Jena nach Rudolstadt gewechselt ist, borgen sich beide Bäder dies und das. Dass sich viele Bäder in Thüringen untereinander helfen, resultiert auch aus der Gründung eines entsprechenden Arbeitskreises vor gut zehn Jahren. Im Hinblick auf die problematische Bäderdichte des Freistaates sagt der Vorsitzende Martin Fromm: "Ich denke, der ganz große Plan hat gefehlt." Und Galaxsea-Geschäftsführer Wolfgang Weiß ergänzt bildlich, es sei wie an einem Tisch, an dem zu viele Leute Platz genommen hätten; wenn alle an ihr zögen, würde die Tischdecke für jeden zu kurz." Allerdings, sagt er: "In anderen Bundesländern ist die Konkurrenz viel größer." Apropos Konkurrenz: Neben Erlebnisbädern und Thermen, wie es sie in Bad Klosterlausnitz oder Bad Sulza gibt, scheint auch die Anziehungskraft der guten alten Schwimmhalle ohne wilden Erlebnisbereich nicht zu unterschätzen zu sein.

Fahren doch etwa zahlreiche Jenaer nach Eisenberg, Apolda oder Gera, wenn sie mal schwimmen wollen und nichts außerdem. Weder Riesenrutsche noch Wildwasserkanal hat das kleine Apoldaer Hallenbad, das zwar auch nur ein 25-Meter-Becken, aber vergleichsweise humane Preise hat.

Eine Hybride indes ist das Geraer Hofwiesenbad, aber auch nicht ganz. Rückt doch der Spaßbad-Bereich angesichts der 50-Meter-Bahnen und des separaten Sprungbeckens eher in den Hintergrund. Die Klientel sei eine völlig andere: In ein Erlebnisbad gingen die Leute manchmal den ganzen Tag, im Hofwiesenbad hingegen zögen viele lediglich ihre Bahnen. Es habe Überlegungen in Richtung Spaßbad gegeben, sagt Leiter Joachim Kühn, der im Nachhinein "heilfroh" darüber ist, dass es anders kam.


06.05.2010 OTZ - Ostthüringer Zeitung