Durch den Straßenbau in der Unteren Brudergasse in Saalfeld geraten viele Händler zunehmend in Schwierigkeiten und kämpfen ums Überleben. Denn die Kunden bleiben aus. Aber die Not macht auch erfinderisch.

Saalfeld. Bäcker Andy Taubert hat derzeit fast einen 24-Stunden-Arbeitstag. Er steht früh in der Backstube, verkauft dann in seinem Geschäft am Münzplatz in Saalfeld und bedient seit drei Wochen noch einen Verkaufswagen, der wechselnd mal auf dem Schießteich und an der Kaufhalle in Gorndorf steht. "Als ich von den Problemen der Händler aus der unteren Brudergasse im Zusammenhang mit dem Straßenbau gehört hatte, habe ich mir Gedanken gemacht, wie mein Geschäft überleben kann", sagt der Chef. Taubert besorgte sich einen Verkaufswagen. In Absprache mit dem Ordnungsamt darf er kostenfrei auf genannten Plätzen stehen, "da gabs keine Diskussion."

Da Enrico Wagner von der E.K. Günther Dienstleistungs GmbH den Kunden ein Anfahren unter Baustellenbedingungen nicht zumuten will, "fahren wir jetzt zum Kunden, ohne ihm die Fahrtkosten in Rechnung zu stellen." Für Wagner das Schlimmste an den Straßenbauarbeiten vor der Haustür, die laut Aussage des Tiefbauamtes bis 24. Juli beendet sein sollen, ist der Dreck.

Ganz andere Sorgen hatte am Dienstag Rainer Häslich, der das "Weinlädchen im Hof" in der Brudergasse betreibt. Er musste wachsam sein, "dass man den Bauzaun nicht ganz vor meine Einfahrt stellt." Häslich hat Verständnis für die Bauarbeiten und "es gibt gegenüber dem ersten Bauabschnitt schon Besserungen." Trotzdem blieben Kunden aus.

Und das nicht erst seit den Bauarbeiten. "Schon zum Jahresende merkte ich einen Rückgang bei den Geschäftskunden." Damit decken sich Häslichs Aussagen mit den Einschätzungen des Werberinges. Der sieht wegen der Krise schwere Zeiten auf die innerstädtischen Händler zukommen. "Jetzt zur Mittagszeit kriege ich einen Parkplatz in der Oberen Straße und das an einem Markttag", macht Joachim Heinecke aufmerksam.

Der von der Stadt ab 2011 geplante Marktumbau sei in dieder Situation tödlich, glaubt die FDP-Fraktion im Stadtrat. Am Freitag fand deshalb ein Gespräch zwischen Bürgermeister und Fraktionsvorsitzenden zum Marktplatzbau statt. "Parkplätze in Fischgrätenanordnung an der Lidenseite hat man uns zugesagt, mehr nicht", ist Heinecke enttäuscht. Die Händler wünschen u. a. auch Stellplätze gegenüber dem "Anker", statt einer gepflasterten eine asphaltierte Fahrbahn und genaue Aussagen zu den Bauzeiten. Noch immer kann sich die FDP-Fraktion nicht mit den 2,2 Millionen Euro Baukosten für den Markt anfreunden.

Am Montagabend lädt der Werbering in die "Alte Post" zum Händlerstammtisch, bei dem der Marktplatzumbau auch thematisiert werden wird. Im Mai soll der Stadtrat endgültig über den Straßenbau am Markt befinden.


13.05.2010 OTZ - Ostthüringer Zeitung