Würden sich die Kreistagsmitglieder, die ihren Wohnsitz in Saalfeld und Rudolstadt haben, zu einer Fraktion zusammenschließen, sie hätten glatt die absolute Mehrheit im Parlament des Kreises.

Im Kreistag haben Parlamentarier aus Saalfeld und Rudolstadt die absolute Mehrheit. Und könnten zum Beispiel die Schließung aller Schulen in ländlichen Regionen verfügen, hernach sämtliche Kinder zur gefälligen Bildung ins Städtedreieck führen.

Ein interessantes Bild ergibt sich, betrachtet man die Zusammensetzung des Kreistages mal nicht aus politischem Blickwinkel, sondern nach der geografischen Herkunft. Dabei dominiert nicht ganz unerwartet das Zentrum, allerdings zu deutlich im Vergleich zur Einwohnerzahl. Saalfeld und Rudolstadt stellen zusammen zwar nur rund 40 Prozent der Bevölkerung des Landkreises, aber mit 28 mehr als die Hälfte der 50 Kreistagsmitglieder plus Landrätin. Die Kreisstadt hat dabei mit 15 Parlamentariern sogar noch zwei mehr als "Schillers heimliche Geliebte".

Eine solche Ballung von Kreistagsmitgliedern gibt es sonst nur noch in der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Bergbahnregion/Schwarzatal, die es auf je zwei Abgeordnete aus Oberweißbach und Meuselbach-Schwarzmühle sowie eine aus Katzhütte bringt. Alle fünf und dazu noch Heidi Wiegand als einzige Vertreterin aus dem Gebiet der VG Mittleres Schwarzatal gehören übrigens der selben Fraktion an: SPD/BI/Grüne.

Fahrgemeinschaften könnten theoretisch auch die Vertreter von vier anderen Gebietskörperschaften bilden. Aus der VG Lichtetal am Rennsteig fahren Andreas Grünschneder (Linke) und neuerdings auch Nachrücker Jürgen Rosenbaum (BIDM) zu den Sitzungen, aus Leutenberg Robert Geheeb (SPD/BI/Grüne) und Heike Bordes (Linke) sowie aus Uhlstädt-Kirchhasel Peter Schröter und Christian Tschesch (beide CDU).

Aus Königsee gab es bis zur Mandatsniederlegung von Jens A. Sprenger (BIDM) ein Trio, das nun auf die beiden Landtagsabgeordneten Gerhard Günther (CDU) und Marian Koppe (FDP) geschrumpft ist.

Dass die drittgrößte Stadt im Landkreis noch keine Erwähnung fand, ist kein Zufall. Mit Ex-Bürgermeister Michael Pabst (CDU) hat die Kurstadt nur einen Vertreter im Kreisparlament. Das selbe trifft auch auf Remda-Teichel, Gräfenthal, Kamsdorf, Kaulsdorf, Rottenbach und Unterwellenborn zu, wobei auffällt, dass die jeweilige Ein-Mann-Vertretung entweder aus dem aktuellen oder einem früheren Bürgermeister dieser Orte besteht.

Der größte weiße Fleck im Kreistag ist die Einheitsgemeinde Saalfelder Höhe, die ebenso wie Altenbeuthen, Arnsgereuth, Drognitz, Hohenwarte und Lehesten gar keinen Fürsprecher hat.

21.05.2010 OTZ - Ostthüringer Zeitung