Der grundhafte Ausbau des Saalfelder Marktplatzes soll im kommenden Jahr in Angriff genommen werden. Bei vier Gegenstimmen aus der FDP-Fraktion und einer Stimmenthaltung wurde der Abwägungsbeschluss zum Ausbau gestern Abend im Stadtrat mehrheitlich gefasst.

Saalfeld. Den Bau verhindern könnten nur noch fehlende Fördergelder. Von einer 60-prozentigen Förderung sprach gestern CDU-Fraktionsvorsitzender Jürgen Pfeiffer. Die Gesamtmaßnahme wird mit 2,2 Millionen Euro veranschlagt.

Vor vier Wochen war der Abwägungsbeschluss noch von Bürgermeister Matthias Graul (parteilos) von der Tagesordnung genommen worden, weil erheblicher Klärungsbedarf bestand. Die Zeit wurde genutzt, eine Kompromisslösung zumindest bei den Parkplätzen zu finden. Mit dem gestrigen Beschluss soll nun auf der Lidenseite nicht parallel zur Fahrbahn geparkt werden, sondern schräg. Damit würden für 16 bis 18 Pkw-Stellplätze geschaffen und mit denen auf der Rathausseite künftig mehr existieren als jetzt offiziell um den Marktplatz, nannte Beigeordneter Wolfgang Dütthorn (CDU) Fakten. Die Linken können mit dem Kompromiss leben, auch wenn sie gern weniger Verkehr und breitere Gehwege gesehen hätten, wie Fraktionsvorsitzende Bärbel Weihrauch sagte.

Während Dütthorn aus Gesprächen mit Händlern Zustimmung zur Kompromisslösung heraus gehört haben wollte, bewertete FDP-Fraktionschef Joachim Heinecke die Stimmung in der Werberingveranstaltung vergangene Woche zum Bauvorhaben als negativ. Unterstützung bekam er von Ina Beutmann. Sie befürchtet Einbußen für ihre Bäckerei, wenn die Straße vor dem Anker gebaut wird und keiner mehr in die Köditzgasse kommt. Durch die Vollsperrung der Breitscheidstraße, die nicht wie angekündigt bis Oktober 2009, sondern bis Mai 2010 dauerte, habe ihre Bäckerei 40 Prozent Umsatzverlust erlitten. Ein benachbarter Blumenladen und ein Kiosk in der Helenenstraße hätten schließen müssen, weil Kunden wegen des Straßenbaus ausgeblieben waren.

Genaue Bauzeiten am Markt sind noch offen, aber die Anker- und Rathausseite sollen laut Dütthorn von Frühjahr bis Sommer 2011 gebaut werden.

Trotz aller berechtigten Einwände und Ängste im Zusammenhang mit dem Straßenbau um den Markt forderte SPD-Fraktionschef Frieder Lippmann seine Amtskollegen auf, die Sache anzugehen. "Die finanzielle Leistungsfähigkeit der Stadt lässt es noch zu."



27.05.2010 OTZ - Ostthüringer Zeitung