Wenn die Pläne der Bahn wahr werden, rauschen ab Dezember 2011 nicht nur Fern-, sondern auch Nahverkehrszüge durch und machen nicht mehr Halt am Bahnhof Marktgölitz. Zu diesem Thema ist die OTZ am 10. Juni in Unterlopquitz mit einem Forum vor Ort.

Marktgölitz. Vielleicht schaffen Sie es, diesen Zeitungsartikel in zwei Minuten zu lesen. Dann ist das genau die Zeit, die der Halt eines Personenzuges inklusive Brems- und Beschleunigungszeit am Bahnhalt Marktgölitz benötigt.

Doch diese zwei Minuten sind zwei zuviel auf der Strecke Jena-Probstzella. Denn ab Dezember 2011 soll ein Nahverkehrszug diese Strecke in 55 Minuten zurücklegen können. Momentan braucht er dafür 20 Minuten mehr.
Auf der Strecke bleiben die Bahnfahrer. Das sind bei knapp 330 Marktgölitzer Einwohnern zwar keine Tausende, "aber Schüler nutzen die Bahn, um morgens zur nullten Unterrichtsstunde am Gymnasium in Saalfeld zu sein. Einwohner fahren mit dem Zug zum Arzt, Vereinssportler zum Training, weil sie die Fahrten vom Verein erstattet bekommen", weiß Ortsteilbürgermeisterin Leona Escherich.
Die Bahn hat die Reisenden in Marktgölitz auch gezählt. Das Ergebnis sprach nicht für die Reiselust der Bürger. Und so steht der Bahnhalt Marktgölitz nach gut 125 Jahren ab Fahrplanwechsel 12/2011 vor dem Aus.
Dagegen verwahren sich die Marktgölitzer in einem Schreiben an Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht . Zur Antwort bekamen sie, dass "im Zusammenhang mit der Fahrplankonstruktion keine Möglichkeiten bestehen, die erforderlichen zwei Minuten durch andere Maßnahmen zu generieren."

Escherich empfindet es als Hohn, wenn die Nahverkehrsgesellschaft Thüringen (NVS), die den Schienen-Nahverkehr verantwortet, aktuell für den Radtourismus in Kombination mit Bahnfahren wirbt und dabei auch den Loquitzradweg benennt, dann aber einen der drei Bahnhalte entlang des Radweges schließen will.
Ob der Zug wirklich schon abgefahren ist und es keine Alternative zur Schließung des Bahnhaltes Marktgölitz gibt, sollen die zuständigen Behörden am Donnerstag, dem 10. Juni, im Rahmen eines Bürgerforums den Bürgern der Einheitsgemeinde Probstzella erklären. Das Forum war eine Forderung der Bürger an die Gemeindeverwaltung, die es mit der OTZ-Lokalredaktion Saalfeld organisiert hat.
Ihr Kommen zugesagt haben Peggy Jahn, Referat Schienenverkehr ÖPNV beim Thüringer Wirtschaftsministerium, NVS-Geschäftsführer Volker Heepen, die Landtagsabgeordneten Maik Kowalleck (CDU), Marian Koppe (FDP), Frank Augsten (Grüne) und Katharina König (Die Linke). Trotz anfänglicher Zusage will die Bahn AG keinen Vertreter schicken. Äußern werden sich der Bahnkundenverband Pro Bahn und der Landkreis als Träger des ÖPNV-Busnahverkehrs.
Das Bürgerforum unter OTZModeration findet am Donnerstag, 19 Uhr, im Vereinshaus Loquitztal in Unterloquitz statt.



05.06.2010 OTZ - Ostthüringer Zeitung