Gesundheitspolitik

Die Thüringer Hebammen haben gestern auf dem Erfurter Anger mit einer Mahnwache für eine höhere Entlohnung und bessere Arbeitsbedingungen protestiert.

Erfurt. Mit Plakaten und Bannern, auf denen zu lesen war "Hebammen vom Aussterben bedroht" oder "Hebamme in Not Rettet unser Handwerk", machten etwa 30 Geburtshelferinnen auf ihre aktuelle Lage aufmerksam. Auch Grabkerzen hatten die Hebammen aufgestellt, allerdings nicht angezündet, in der Hoffnung, "dass unser Berufsstand nicht ausstirbt", sagte Elke Pirrhs, Vorsitzende des Hebammenlandesverbands Thüringen.

Für freiberufliche Hebammen sind die Kosten für die Berufshaftpflicht in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen, liegen aktuell bei 3700 Euro. Auch würden die erhobenen Gebühren laut Elke Pirrhs "nicht widerspiegeln, was wir an Arbeit leisten". Die Landesvorsitzende wertete die gestrige Mahnwache als vollen Erfolg. Das Interesse der Öffentlichkeit sei groß gewesen, so dass die Hebammen vom ursprünglichen Vorhaben, zwei Stunden zu schweigen, Abstand nahmen.

Unterstützung erhalten die Geburtshelferinnen auch seitens der Politik. Man könne nicht auf eine Entscheidung aus Berlin warten, sondern müsse selbst handeln und dürfe die Hebammen nicht im Regen stehen lassen, sagte Anja Siegesmund , gesundheits- und familienpolitische Sprecherin der Thüringer Grünen. "Eine solch hohe finanzielle Belastung ist für die Betroffenen kaum zu stemmen", sagte auch der gesundheitspolitischer Sprecher der FDP, Marian Koppe . Auch Kersten Steinke (Die Linke), Vorsitzende des Petitionsausschusses des Bundestags, war gestern vor Ort.

Die Hebammen wollen die Gespräche mit der Landesregierung fortführen, um Lösungen zu finden. Die Mahnwache war Teil einer bundesweiten Protestreihe, die im Oktober mit einer Abschlusskundgebung endet.

27.08.2010 OTZ - Ostthüringer Zeitung