Gesundheitspolitik

Hebammen aus ganz Thüringen haben gestern in Erfurt mit einer Mahnwache für eine bessere Bezahlung protestiert.

Erfurt "Hebammen in Not" hieß es auf Bannern, Plakate warnten vor der
Entwicklung zur "Hebarmen" und eine leere Kinderwiege mahnte vor dem Untergang des Berufsstandes. Dieser sei "akut in Not", sagte die Vorsitzende des Hebammenlandesverbandes, Elke Pirrhs. Zu den ohnehin schon schlechten Arbeitsbedingungen der Hebammen sei auch
noch eine Erhöhung der Haftpflichtversicherung
gekommen. Angebote wie dieWahlfreiheit des
Geburtsorts oder flächendeckende Wochenbettbesuche könnten laut Pirrhs nicht mehr aufrechterhalten werden. Schwangere Frauen bräuchten die hundertprozentige Aufmerksamkeit ihrer Hebammen, betonte Pirrhs.

Durch die gesetzlichen Bestimmungen könnte dies jedoch nicht mehr gewährleistet werden.
In einigen Regionen Thüringens werden
laut Landesverband keine Hausgeburten
mehr angeboten. Allerdings machen Hausgeburten im Freistaat nur etwa drei Prozent der jährlich rund 17000 Entbindungen aus. Auch für das Geburtshaus in Erfurt werde die Situation bedrohlich, sagte Pirrhs. In Thüringen gibt es darüber hinaus Geburtshäuser in Jena und Gera.

Pirrhs forderte die Politik auf, die Arbeitsbedingungen der Hebammen zu verbessern. Für eine entsprechende Petition hätten sich in der Bevölkerung knapp 190000 Unterstützer gefunden. Einen Antrag mit so vielen Unterschriften habe es noch nie gegeben, sagte die Vorsitzende des Petitionsausschusses des Bundestags, die Linke-Abgeordnete Kersten Steinke. Die Bundesregierung müsse diese Weisung Ernst nehmen. "Dazu werden wir sie drängen", sagte Steinke.

Unterstützung finden die Hebammen außer bei der Linke- und Grünen-Fraktion auch in den Reihen der Liberalen. Der Gesundheitsexperte
der FDP-Landtagsfraktion, Marian Koppe, sagte: "Eine solch hohe finanzielle Belastung ist für die Betroffenen kaum zu stemmen." Eine plötzliche Erhöhung der Haftpflichtprämie auf bis zu 3700 Euro jährlich sei das genaue Gegenteil von Planungssicherheit.

Aus Sicht des Berufsverbandes tragen die Geburtskliniken eine Mitverantwortung für die Situation der Hebammen. Viele seien deshalb selbstständig, weil immer mehr Krankenhäuser aus Kostengründen auf angestellte Hebammen verzichteten.

Nach Daten des Statistischen Landesamtes stieg die Zahl der freiberuflichen Hebammen mit Belegverträgen für Kliniken von 2003 bis 2008 von 38 auf 75. Die Zahl der in Krankenhäusern angestellten Geburtshelferinnen sank im gleichen Zeitraum von 201 auf 185. Die Mahnwache in Erfurt war Teil einer bundesweiten Protestreihe der Hebammen.

27.08.2010 Freies Wort