Landtag

Individuelle Förderung wichtig - Protest vor dem Landtag

Erfurt. (dapd/mar) Der Protest der freien Schulen in Thüringen geht weiter: Rund 100 Eltern und Schüler haben am Donnerstag vor dem Landtag gegen mögliche Kürzungen bei den Schulen in freier Trägerschaft protestiert. Elternvertreter der Emil-Petri-Schule des Marienstifts Arnstadt und der Regenbogenschule in Erfurt hätten dem thüringischen Bildungsminister Christoph Matschie (SPD) Briefe mit ihren Forderungen übergeben, sagte der Direktor des Marienstifts, Andreas Müller. Anschließend seien sie zu einem Gespräch mit dem Minister zusammengekommen. Die freien Schulen erhielten schon jetzt weniger Geld pro Schüler als staatliche Schulen, sagte Müller. Weitere Kürzungen stellten ihre Existenz in Frage. Matschie hatte angekündigt, im Zuge der Haushaltskürzungen auch bei den freien Schulen Einsparungen vorzunehmen.

Die Bildungsexpertin der Grünen, Astrid Rothe-Beinlich, unterstützte die Proteste. Die freien Schulen müssten gleiche Chancen und Rahmenbedingungen erhalten. "Wir sind ausdrücklich dankbar für den bunten und eindrucksvollen Protest der freien Schulen", ermunterte sie die Demonstranten. Denn dieser verdeutliche, wie viel den Kindern, Eltern und Erzieherinnen an ihren Schulen liege und dass diese auch bereit seien, für diese und ihren Fortbestand öffentlich zu demonstrieren. So werde Demokratie erleb- und erfahrbar, unterstrich Rothe-Beinlich. "Die vielen hundert Protestbriefe, die uns heute erreicht haben, nehmen wir sehr ernst und werden wir sehr genau lesen, zumal wir die Sorge der Betroffenen teilen."Noch liegen aber in Erfurt weder ein Gesetzentwurf noch eine Finanzierungsvereinbarung für die freien Schulen vor. "Wir werden aber auch schon im Vorfeld darauf drängen, dass freie Schulen gleiche Chancen und Rahmenbedingungen erhalten."

Alle Kinder sollten die individuelle Förderung erhalten, die sie brauchen, unterstrich die Bildungspolitikerin der Thüringer Bündnisgrünen. Gegen Regelung für Landeskinder Auch die FDP sprach sich gegen die Pläne des Bildungsministers aus. "Gut, dass Sie Ihrem Anliegen Gehör verschaffen", sagte FDP Sozialexperte Marian Koppe den Demonstranten. Er forderte, die Finanzierung der freien Schulen auch langfristig nicht zu kürzen. Die Berechnung der Kostenzuschüsse dürfe nicht von den Schülerkosten in den öffentlichen Schulen entkoppelt werden. "Alle Kinder müssen dem Land gleich viel wert sein", unterstrich er. Es könne nicht angehen, dass die Schulen im Land Thüringen unterschiedlich behandelt werden und in der Folge Kinder aus einkommensschwachen Familien künftig vom Besuch der freien Schulen ausgegrenzt würden. Deshalb habe sich die FDP-Landtagsfraktion für eine Beibehaltung der Zuschüsse in der bisherigen Höhe und gegen eine Landeskinderregelung ausgesprochen, die den Besuch der Thüringer Privatschulen von Kindern aus angrenzenden Bundesländern behindern würde. Nach Ansicht der bildungspolitischen Sprecherin der Linken, Michaele Sojka, sollte bei den freien Trägern genauso wenig gekürzt werden wie im staatlichen Bildungsbereich. Es dürfe keine Schulform gegen die andere ausgespielt werden, unterstrich Sojka. Sie verweist auf den wachsenden Andrang bei den freien Schulen und unterstreicht ihre Auffassung, dass für jedes Kind eine individuelle und optimale Förderung gewährleistet sein müsse. "Die reformpädagogischen Ansätze, auf die wir in Thüringen zu recht stolz sind, sollten auch an den staatlichen Schulen verstärkt Einzug halten", so die Bildungspolitikerin der Linkspartei. Die Thüringer FDP Landtagsfraktion veranstaltet mit Lehrern und Eltern sowie Vertretern des Verbandes der Privatschulen eine bildungspolitische Diskussion über die "Zukunft der Schulen in freier Trägerschaft." Diese findet am 29. September, 19 Uhr, im Comcenter Brühl in Erfurt, Mainzerhofstr. 10, statt. Anmeldungen dafür sind möglich per Fax unter 0361/3772705 oder per E-Mail an folgende Adresse: info@fdp-lt.thueringen.de


17.09.2010 TLZ - Thüringische Landeszeitung