Was haben Pop-Röhre Nena, Hobbyautorin Elisabeth Schieferdecker und Johanna Müller, freiwillige Sozialarbeiterin am Rudolstädter Theater, gemeinsam? Sie nahmen sich Zeit fürs Vorlesen und unterstützten damit die bundesweit ausgerufene Aktion der Stiftung Lesen und des Wochenjournals Die Zeit.

Saalfeld/Rudolstadt. Dem Buch, das Johanna Müller am Vormittag in der Saalfelder Kinderbibliothek auspackte, war anzusehen, dass sie es selbst gern gelesen hatte. "Wer kennt Enid Blyton", fragte sie in die Runde der Fünftklässler vom Böll-Gymnasium, und etliche Finger schossen in die Höhe. "Mehr als in Rudolstadt", lobt die junge Frau und schon nahm sie die erwartungsfroh lauschenden Mädchen und Jungen mit in eine Vorweihnachtsgeschichte. Für die Kinder hatte sich das Warten gelohnt, nachdem Johanna Müller zunächst in den Fragen der Zuhörer ihrer ersten Lesung am Morgen in der Rudolstädter Stadtbibliothek und dann im Winter steckengeblieben war. Zur selben Zeit lauschte in der Gorndorfer Außenstelle eine Gruppe Hortkinder Elisabeth Schieferdecker, die "Das Elfenlicht von Arwarah" zum Leuchten brachte. Am Morgen schon folgten ihr Drittklässler der Johannesschule und einige private Besucher in die Abenteuer, die direkt vor ihrer Haustür in der Feengrottenstadt zu bestehen sind. Abenteuer, die nur aus einer Stimme und dem Rascheln der Buchseiten entstehen, weil sie in den Köpfen stattfinden.

"Das ist unsere ureigenste und schöne Aufgabe", begründete Bibliotheksleiterin Susanne Wersch das Engagement von der Auszubildenden Nancy Pletong bis zur Kinderbibliothekarin Monika Hofmann. Rund 70 Veranstaltungen für Kinder jährlich haben "Leseförderung, Sprachförderung und Erlernen von Medienkompetenz" zum Ziel. Und vor allem das Wecken der Fantasie. In Rudolstadt beteiligten sich 58 Kinder am Freizeit-Projekt "Ich bin eine Leseratte", initiiert von der Kreissparkasse und der Sparkassen-Kulturstiftung. Gestern waren die besten "Leseratten" in der Stadtbibliothek beim Lesefest zu Gast. Kinderbibliotheksleiterin Petra Wittekind zeichnete 23 Schüler mit Urkunde und Geschenk aus, die alle fünf ausgewählten Bücher "durchgeschwartet" hatten. Zuvor hatten sich Kinder, Eltern und Gäste an einer Marionettentheater-Aufführung des "Gestiefelten Katers" erfreut.

Der Königseer Landtagsabgeordnete Marian Koppe (FDP) las für 20 Bücherfreunde aus dem AWO-Kindergarten das Buch "Elmar rettet den Regenbogen" von David McKee. Die Kinder waren begeistert.

Deshalb ließ sich auch Johanna Müller nicht beeindrucken, als ihr auf Enid Blyton von einem der Kinder geantwortet wurde: "Ich lese lieber Cornelia Funke". Müller entschied den Disput gelassen: "Ob Hanni und Nanni oder Tintenherz egal, was ihr lest. Hauptsache, ihr lest."



27.11.2010 OTZ - Ostthüringer Zeitung