Fraktionsarbeit

Die angekündigte Bundeswehrreform könnte auch die Spitzensport-Förderung hart treffen

Die Sportfördergruppe der Bundeswehr am Oberhofer Grenzadler ist für die Region, für Thüringen und für den deutschen Spitzensport ein Aushängeschild und darf nicht Opfer der angekündigten Bundeswehrreform werden. Das ist das Fazit eines aktuellen Arbeitsbesuches von FDP-Politikern in der Rennsteigstadt.

"Wir wollen uns ein Bild vor Ort machen, um praxisrelevante Argumente über die zunehmende Diskussion um Bundeswehrstandorte in Thüringen zu sammeln. Unsere Landtagsfraktion und unsere zuständige Ausschüsse setzen sich für eine langfristige Präsenz der Bundeswehr im Freistaat ein. In unserer Vorlage für den Landtag wird auch unmissverständlich stehen, dass die Sportfördergruppe in Oberhof unverzichtbar ist", stellte Marian Koppe (46/Königsee), der sportpolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, klar.

Was heizt die Diskussion auch um die Spitzensportförderung momentan an? Es ist die vorgesehene Bundeswehrreform. Offensichtlich gibt es auch in punkto Sport nicht nur Sportpolitiker in deutschen Regierungsetagen, sondern auch Politiker die allzu sehr auf fragwürdige Sparhaushalte schielen und im Ensemble von Spitzen-, Nachwuchs- und Breitensport die Euro-Schraube anziehen wollen.

Erwischt es nun die Sportfördergruppen auch, wenn die angekündigte Reform kommt? Wer besser als ein Oberstleutnant, der in die vorgesehene Umstrukturierung involviert ist, kann die momentane Situation beschreiben. Dipl.-mil. Wissenschaftler Horst Reddemann (57/Bad Liebenstein), Stellvertretender Kommandeur und Chef des Stabes des Landeskommandos Thüringen, zur Lage: "Es wird gegenwärtig viel geredet. Wer, was, wann, wie viel, das ist alles nur Spekulation. Ob die Truppenreduzierung auf 220000 oder 160000 erfolgt, alles nur Vermutungen. Es gibt zurzeit ein Planungshandbuch mit sieben Handlungskonzepten, mehr nicht. Im Juni/Juli 2011 sollen Standortveränderungen bekannt gegeben werden. Was die Sportfördergruppen betrifft, so ist die Politik gefordert. Sie muss uns klipp und klar sagen, ob sie die Spitzensportförderung seitens der Bundeswehr weiterhin will oder eine andere Form. Als Bundeswehr stehen wir weiterhin dazu. Natürlich auch zu Oberhof mit seiner enormen Leistungskraft." Verhehlt wird allerdings nicht, dass in einem ersten Entwurf die bisher deutschlandweit 824 Förderstellen einschließlich des Betreuungspersonals demnächst auf unter 700 fallen wird. Was den Standort Oberhof betrifft, so fasste FDP-Fraktionsgeschäftsführer Carsten Klein den Arbeitsbesuch in der Rennsteig-Kaserne treffend zusammen: "Ohne Sportfördergruppe und Spitzensport gibt es mindestens 50 Prozent Oberhof weniger!"

Die Sportfördergruppe Oberhof ist unter den 15 Standorten die mit Abstand erfolgreichste. 48 Athleten im nordischen Skisport (15), im Biathlon (6), in den Kufendisziplinen inklusive Eisschnelllauf (21), Schießsport (3), Leichtathletik (2) und Gewichtheben (1) sowie 6 Trainer sind aktuell Uniformträger. Allein bei den Winterspielen im Februar 2010 gewannen die 18 Starter viermal Gold, siebenmal Silber und zweimal Bronze.



15.12.2010 TLZ - Thüringer Landeszeitung