In Zeiten des Fachkräftemangels wird die Riege derer, die die Integration ausländischer Kräfte fördern, immer größer. Jetzt macht sich die FDP zum Mitstreiter um Integration. Ein wichtiger Schritt dabei: die Anerkennung von Abschlüssen qualifizierter Zuwanderer.


Erfurt. Diese müsse "dringend vereinfacht werden", betont der sozialpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, Marian Koppe .

Die FDP hat ihr Ansinnen jetzt einen Schritt weitergebracht: Nach einer ersten Beratung im Landtag wurde der Antrag einstimmig in den Ausschuss überwiesen. Dies zeige, dass das bislang vernachlässigte Thema Integration "endlich auch bei den anderen Fraktionen die nötige Aufmerksamkeit" erfahre, so Koppe.

Klar ist aber auch, dass sowohl die CDU als auch die SPD diesem Thema aufgeschlossen gegenüberstehen. Die neue Ausländerbeauftragte Petra Heß (SPD) macht sich dafür ebenso stark wie die junge Riege der Thüringer CDU-Bundestagsabgeordneten, allen voran Tankred Schipanski . Linke und Grüne haben der Integration schon lange großes Gewicht beigemessen.

Koppe betont, dass mit der angestrebten Integration nicht heimische Fachkräfte verdrängt werden sollen. "Berufstätigkeit ermöglicht es Zuwanderern, finanziell auf eigenen Beinen zu stehen und schafft Akzeptanz in der Bevölkerung", so der Liberale. Thüringen soll dieses Potenzial nicht ungenutzt lassen, so Koppe.

Kommentar:

Schnelle Integration

Von Gerlinde Sommer

Jetzt wird es Zeit: Wer jetzt nicht schon auf den Zug aufgesprungen ist, der hat ihn verpasst.

So ist auch zu erklären, weshalb nun im Landtag Einstimmigkeit herrscht beim Thema Integration. Das Problem ist alt: Wer nach Deutschland kommt, kann - wenn denn Arbeiten überhaupt legal ist - oft nur in Bereichen angestellt werden, die weit unter der eigentlichen Qualifikation liegen. Bisweilen ist es unmöglich, sich seinen Abschluss anerkennen zu lassen, in anderen Fällen sind Wege so schwierig, kompliziert und letztlich teuer, dass die Betroffenen Abstand nehmen. So werden Lehrerinnen zu Putzkräften oder Wissenschaftler zu Taxifahrern.

Das Thema wurde lange Jahre deshalb von der Politik nicht aufgegriffen, weil es keine Dringlichkeit gab. Der Einzelfall wurde bedauert. Aber Handlungsgeschick bestand keineswegs, weil es genug Einheimische für die entsprechenden Jobs gab.

Inzwischen hat sich manches geändert: Fachkräfte werden knapp im eigenen Land - und gerade für gut ausgebildete Menschen ist Deutschland inzwischen auch nicht mehr unbedingt die erste Wahl. Jedenfalls dann nicht, wenn hier von vorneweg die Anerkennung fehlt.

Aus all diesen Gründen wird nun - zuallererst auf Bundesebenen - darüber nachgedacht, wie ausländische Abschlüsse zügig geprüft werden können. Das ist so einfach nicht, weil ganz unterschiedliche Institutionen dafür zuständig sind - je nach Ausbildungsweg und künftigem Arbeitgeber. Dass sich nun auch in Thüringen alle im Landtag vertretenen Parteien zu dieser Aufgabe bekennen: Das ist schön! Aber es ist auch überfällig.


24.01.2011 TLZ - Thüringische Landeszeitung