Gesundheitspolitik

Regierung hat Ärztemangel in Thüringen seit Jahren unterschätzt

Erfurt/Sonneberg (Pressemitteilung FDP-Landtagsfraktion) - "Es ist fünf vor zwölf für neue Konzepte der Landesregierung", mahnt der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion Marian Koppe. Hintergrund sind die jüngsten Berechnung der Kassenärztlichen Vereinigung, denen zufolge deutschlandweit bald nicht sechs-, sondern rund zwölftausend Ärzte fehlen werden.

"Für Thüringen bedeutet das ganz konkret, dass wir über dreitausend Haus- und Klinikärzte brauchen werden", rechnet der FDP-Gesundheitsexperte vor. Vor allem der demografische Faktor sei bislang vernachlässigt worden. "Wenn die Bevölkerung insgesamt älter wird, werden natürlich auch Ärzte älter. Gerade das wird in den nächsten fünf Jahren ein Problem werden", befürchtet Koppe. Immer mehr Ärzte fänden nämlich beim Schritt in den Ruhestand keine Nachfolger mehr. Zu unattraktiv sei der Arztberuf mittlerweile geworden, weil er mit Bürokratie, Überstunden und sinkenden Einkommen belastet sei.



"Die Vorschläge, Ärzte zu bestrafen, die Privatpatienten angeblich besser behandelten, zeugen von vollkommenem Realitätsverlust", kritisiert Koppe. Drohungen brächten überhaupt nichts. "Sinnvoller wäre es, Anreize für junge Mediziner zu setzen, statt sie zu erpressen." Dies beträfe gerade den ländlichen Raum. "Hier kommt sonst der Landarzt bald nur noch im Fernsehen." Dabei sei im ländlich strukturierten Thüringen eine flächendeckende Versorgung dringend geboten. Mittlerweile sei man sogar in Berlin auf Thüringen aufmerksam geworden. Bei seinem Besuch in November erklärte der Bundesgesundheitsminister Dr. Philip Rösler, Thüringen sei eine "Modellregion". "Vor den Problemen vor denen Thüringen heute schon steht, wird die Republik insgesamt in zehn Jahren stehen", erläutert Koppe. "Wir haben jetzt die Chance, wegweisende Konzepte zu entwickeln oder in zehn Jahren als Versager da zu stehen".



Das bestehende Stipendiensystem greife hier zu kurz, weil es nur Mitnahmeeffekte erzeuge: "Die Idee Medizinstudenten finanziell unter die Arme zu greifen, ist zwar richtig. Wenn dann die fertigen Ärzte aber in andere Bundesländer abwandern, haben wir nur Thüringer Steuergeld ausgegeben". Koppe erneuert deswegen seine Forderung an Ministerin Heike Taubert, eine Task-Force einzusetzen, die sich mit dem Thema auseinandersetzt: "Was wir brauchen sind langfristig wirksame Lösungen", so der liberale Gesundheitsexperte abschließend.

15.03.2011 www.dtoday.de