Seit gestern Abend ist es amtlich: Die Regelschule Sitzendorf und die Grundschule Unterweißbach werden zum Ende des nächsten Schuljahres dicht gemacht.

Sitzendorf/Rudolstadt. Dies beschloss der Kreistag Saalfeld-Rudolstadt in namentlicher Abstimmung mit 24 gegen 16 Stimmen bei vier Enthaltungen.

Während sich die Schultüren in Unterweißbach im Sommer 2012 wohl für immer schließen, sollen im Gebäude der jetzigen Regelschule Sitzendorf die neue Grundschule für das mittlere Schwarzatal und der Kindergarten einziehen. Gemeinsam wollen der Landkreis als Schulträger und die Gemeinde Sitzendorf in den Umbau investieren.

Vor dem Tagungsort in der Hauptfeuerwache Rudolstadt-Schwarza hatten sich über 60 Eltern, Schüler und Lehrer der Schule Sitzendorf aufgestellt, um für den Erhalt ihrer Schule zu werben. Auch von der Unterweißbacher Schule war eine kleine Abordnung vor Ort.

Sitzendorfs Schulleiterin Angelika Wilfer sagte, man wolle nicht mit Krawall für die Schule eintreten, sondern mit überzeugenden Konzepten. Hier solle die letzte Regelschule im Zentrum der VG geschlossen werden. Dadurch blute die Region aus und werde unattraktiv. Auf dem Land müsse man andere Wege gehen als in der Stadt. Für ein Kind aus Meura bedeute die künftige Regelung, es fahre nicht zehn Kilometer bergab nach Sitzendorf, sondern 24 Kilometer über Berg und Tal nach Oberweißbach.

Schulelternsprecher Paul Möller. "Hier arbeiten die coolsten Lehrer, die ich kenne", so der Schüler der 10. Klasse.

Unterweißbachs Bürgermeister Heinz Rudolph brachte sein Unverständnis zum Ausdruck, dass in seinem Ort ein "kompletter Schulstandort ohne Not geschlossen" werden soll. Es gebe kurze Wege zur ärztlichen Versorgung, zu Schulgarten und Turnhalle. Das sei in Sitzendorf nicht der Fall.

In der anschließenden Debatte deutete sich an, dass der Kreistag in dieser Frage gespalten ist. Linken-Fraktionschef Andreas Grünschneder bekannte sich zum Schulerhalt, Dieter Büchner (FDP), Christian Tschesch (CDU) und Marko Wolfram (SPD/BI/Grüne) sprachen dagegen. Während Büchner Bedenken bezüglich des Brandschutzes in Unterweißbach hatte, plädierte Wolfram für längeres gemeinsames Lernen, das nur an schlagkräftigen Regelschulen möglich sei. Tschesch meinte, die fachliche und sachliche Einschätzung durch den Bildungsausschuss müsse den Ausschlag geben, nicht politisches Kalkül.

Bei der Abstimmung gab es letztlich kein einheitliches Bild. Aus den Fraktionen von CDU, Linken und FDP gab es sowohl Ja- als auch Nein-Stimmen, bei SPD/BI/Grüne und BIDM neben Ja-Stimmen auch Enthaltungen.

04.05.2011 OTZ - Ostthüringer Zeitung