Seniorenpolitik

Seniorenpolitik stärker im Blickfeld

Erfurt.
(dapd/ger) Mit einem umfassenden Konzept zur Seniorenpolitik reagiert die Landesregierung auf die zunehmende älter werdende Bevölkerung und die daraus resultierenden sozialen Fragestellungen. Sozialministerin Heike Taubert (SPD) sagte bei der Vorlage des Eckpunktepapiers in Erfurt, die Politik müsse langfristig auf die zahlreichen Aspekte des Alters und Alterns eingehen.
Das Konzept soll Politik, Organisationen und Kommunen als Leitfaden dienen. Taubert sagte, im Zentrum stehe die Frage, was Senioren in der Zukunft bräuchten. Die Erfahrung zeige beispielsweise, dass Ältere sich an der gesellschaftlichen Entwicklung beteiligen wollten. Dazu müssten sie auch angesprochen werden.
Das Konzept Zeit unter anderem auf, wie kommunale Einrichtungen seniorengerecht gestaltet werden können und wo es noch Handlungsbedarf gibt. Es wird Wert gelegt auf die Feststellung, dass Seniorenpolitik ressortübergreifend gestaltet werden muss und die Umsetzung der Handlungsempfehlungen auch von der Finanzlage abhängig ist.
Übergeordnete Themen seien Selbstbestimmung, Mitgestaltung und die Solidarität der Generationen, sagte Taubert. Das Konzept benennt die sechs Handlungsfelder Wohnen, Gesundheit, Arbeitsmarkt, finanzielle Sicherheit, Bildung und Sport. Zur Verwirklichung der Ziele soll auch das Seniorenmitwirkungsgesetz beitragen, das im Landtag in der kommenden Woche erstmals behandelt wird. Eines der Ziele ist die Gründung eines Landesseniorenrates, deren Mitglieder die Landesregierung und der Landtag beraten könnten, wenn es um Gesetze und Initiativen die Senioren betreffend geht.
Die Linke-Seniorenexpertin Margit Jung fordert, die in dem Konzept bestimmten Arbeitsschwerpunkte konkret umzusetzen. Dazu müssten sie allerdings ausreichend finanziert werden. Sie lobte, dass in dem Konzept das Altersbild umfassend betrachtet werde und nicht auf Krankheit beschränkt sei.
Auch der FDP-Sozialexperte Marian Koppe begrüßt grundsätzlich die Vorlage des Konzeptes. Es müsse aber mehr als eine Inventur der vorhandenen Maßnahmen dabei heraus kommen. Angesichts der zahlreichen bisherigen Konzepte und der tatsächlichen Ergebnisse müsse "einem Angst und Bange um die guten Vorsätze werden". Scharfe Kritik an den Plänen der Landesregierung für ein Seniorenmitwirkungsgesetz kommt dagegen von den Jungen Liberalen. "Wir sind nicht davon überzeugt, dass Senioren Minderheitenschutz genießen müssten", so der Landesvorsitzende Bernhard Kuske. In einer immer älter werdenden Gesellschaft sei es wichtig, besondere Rücksicht auf die nachwachsende Generation zu nehmen. "Wir haben die Sorge, dass die Rechte unserer Generation unter die Räder kommen Könnten", erläutert Kuske.
Als Senioren werden in dem Konzept alle Menschen ab 60 Jahre verstanden. Bis 2030 etwa wird mehr als ein Drittel der Bevölkerung älter als 65 Jahre sein.


20.01.2012 TLZ - Thüringische Landeszeitung