Gesundheitspolitik

FDP: EU-Regelung bremst Fachkräftenachwuchs aus

Erfurt. (mar) Vor einer Verschärfung der Pflegekrise warnt eindringlich die Thüringer FDP. Grund ist eine EU-Regelung, die nach Meinung des gesundheitspolitischen Sprechers der Thüringer Liberalen, Marian Koppe, den Pflegekräftenachwuchs im Freistaat ausbremst. »Wird diese Regelung so umgesetzt, wird der Fachkräftemangel in der Pflege noch schneller noch dramatischer werden«, warnt er. »Betroffene Akteure sprechen vom Todesstoß für die Pflege im ländlichen Raum«, so Koppe weiter. Zur Jahreswende wurde dem EU-Parlament eine in Deutschland höchst umstrittene Änderung der Berufsanerkennungsrichtlinie unterbreitet. Neben der Anhebung der erforderlichen Zugangsvoraussetzung für Pflegeausbildungen auf zwölf Schuljahre beinhalte diese Regelung eine Vielzahl an Änderungen des europäischen Berufsanerkennungsrechts. »Damit wäre für die Ausbildung zum Kranken- oder Altenpfleger das Abitur zwingend. Das ist nicht nur unsinnig, sondern vor allem kontraproduktiv, denn es fehlen schon jetzt ausreichend Auszubildende«, kritisiert Koppe. »Zukunft sieht düster aus« Denn gleichzeitig würde so der Weg zum Kranken- oder Altenpfleger in Deutschland erschwert und dies bei einem ständig steigenden Bedarf. Für Thüringen selbst hätte dies drastische Folgen. Bereits jetzt leben etwa 77000 Pflegebedürftige im Freistaat. Das Thüringer Sozialministerium geht davon aus, dass sich diese Zahl bis 2020 auf 86000 erhöht. Nach einer Studie der Bertelsmann Stiftung werde 2030 jeder zehnte Thüringer über 80 Jahre alt sein. Entsprechend hoch wird der Bedarf an professioneller Pflege sein. Die Umsetzung des Richtlinienentwurfes hätte für Thüringen ganz direkte und dramatische Folgen, ist Koppe sicher. Die Landesregierung müsse hier ihre bundes- und europapolitischen Kompetenzen nutzen und die Umsetzung der EU-Richtlinie im Bereich Pflege verhindern, so Koppe. »Kommt sie wie sie ist, sieht die Zukunft der Pflege in Thüringen düster aus«, fordert Koppe abschließend. Einen entsprechenden Antrag für das Februarplenum hat seine Fraktion bereits eingereicht. Die geplante Verschärfung der Anforderungen an den Ein- oder Umstieg in den Pflegeberuf entspreche nicht der gesellschaftlichen Realität, so Koppe.

14.02.2012 TLZ - Thüringische Landeszeitung