Landesregierung kennt keine Erhebungen zu Konsum synthetischer Cannabinoide. Labore sind der Justiz immer voraus

Von Volkhard Paczulla

Erfurt. Wenig bis nichts weiß die Landesregierung über Akzeptanz und Verbreitung neuer, nicht verbotener synthetischer Drogen in Thüringen.
Das Phänomen der sogenannten Legal Highs ist seit etwa drei Jahren bekannt, sagte der Landtagsabgeordnete Marian Koppe (FDP) dieser Zeitung. Umso mehr wunderte es den Ostthüringer Gesundheitspolitiker, dass die Antwort auf seine Kleine Anfrage zum Thema derart dürftig ausfiel. "Für Thüringen liegen zurzeit keine repräsentativen Erhebungen zum Konsum und Missbrauch bezogen auf Legal Highs vor", musste Sozialministerin Heike Taubert (SPD) einräumen. Unabhängig davon werde Drogenkonsum besonders bei jungen Menschen von der Landesregierung ernst genommen.
Koppe bezweifelt das. Einerseits behaupte die Regierung, dass der "weitaus größte Teil" der Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren, die schon einmal Legal Highs ausprobiert haben, nicht wieder auf diese Suchtmittel zurückgreifen würde. In derselben Antwort wird jedoch mitgeteilt, dass Designerdrogen mit 9,2 Prozent inzwischen den zweiten Rang nach dem Rauchen von Cannabis (14,4 Prozent) einnähmen. Die Regierung sollte sich schleunigst um belastbares Zahlenmaterial kümmern, fordert der liberale Oppositionspolitiker.
Legal Highs sind Kräuter-, Duft- und Räuchermischungen mit synthetischen Substanzen, die den Wirkstoff der Cannabispflanze nachahmen. Allerdings deutlich stärker als das organische Vorbild THC. Der Kick aus dem Chemielabor trägt Phantasienamen wie "Special Gold", "Euphoria" oder "Atomic Bomb", ist sogar als Badesalz zu haben und in diversen Internet-Shops spielend leicht zu bestellen. Die Besonderheit: Anders als bekannte Drogen wie Kokain, Haschisch oder synthetisch hergestellte Ecstasy-Pillen stehen die künstlichen Cannabinoid-Produkte noch nicht auf dem Index des Betäubungsmittelgesetzes. Die Kräutermischung "Spice" wurde 2009 per Eilverfahren verboten, doch Pharmakonzerne in China und den USA werfen fast im Wochentakt neue Kreationen auf den Markt. So sind sie der Justiz immer um mehrere Schritte voraus.
Marian Koppe will mit der Bundesdrogenbeauftragten Mechthild Dyckmans (FDP) über politische Gegenstrategien sprechen, wenn sie Mitte April Thüringen besuchen wird.


13.03.2012 OTZ - Ostthüringer Zeitung