Gesundheitspolitik

FDP: Zulassungsbezirk Lobeda oder Zusammenspiel von Stadt und Landkreis?

Von Thomas Stridde

Jena.Vom Hausarzt zum anderen Facharzt überwiesen und dort am Anmeldetresen dann dies: Ein Termin in acht Wochen! Oder mindestens mehrstündiges Ausharren im Wartezimmer!- Als wahre Erlebnisse oder aus einem Bauchgefühl heraus seien derlei Szenen wohl vielen Leuten vertraut, drum es um die Ärzte so ähnlich wie um die Thüringer Lehrer stehe: "zu viele und trotzdem zu wenig", so formulierte gestern Jenas FDP Kreis-Chef und OB-Kandidat Thomas Nitzsche. Deshalb hofft seine Fraktion während der morgigen Ratssitzung auf Zustimmung zu einem "Hinweis- und Ermutigungsbeschluss", den die Liberalen als Antrag vorlegen. Danach soll der OB dem Stadtrat bis zur übernächsten Sitzung im Mai eine Analyse über die Ärzteversorgung im Zulassungsbezirk Jena präsentieren, die je nach Fachgebiet die statistische Überversorgung und Effekte realen Mangels in den Blick nimmt - was etwa Wartezeiten auf einen Termin oder in der Praxis betrifft. Kern des Antrags ist aber, dass die Stadt rasch auf die Bildung eines Landesfachausschusses hinwirken möge, der Empfehlungen abgeben kann zu sektorenübergreifenden Versorgungsfragen. Das seit Jahresbeginn gültige Versorgungsstrukturgesetz berge die Möglichkeit, einen solchen Ausschuss zu bilden, in dem die Kassenärztliche Vereinigung, Krankenkassen und Kommunen vertreten sind, sagte gestern Nitzsches Parteifreund Marian Koppe, der als gesundheitspolitischer Sprecher der Liberalen dem Landtag angehört. Nur habe Gesundheitsministerin Heike Taubert (SPD) von der neuen Möglichkeit noch keinen Gebrauch gemacht. Dabei eröffne sich mit Hilfe eines0 derartigen Gremiums tatsächlich die Chance, "Unter- und Überversorgungsgebiete zusammenzufassen". Insbesondere mit Blick auf das Jenaer Uni-Klinikum als wichtige Ausbildungsstätte lasse sich so zudem der Tendenz entgegenwirken, "dass wir es nicht schaffen, genügend Ärzte hier zu behalten", sagte Koppe. Thomas Nitzsche hält in Fragen des Zusammenfassens von unter- und überversorgten Gebieten Gespräche der Stadt mit dem Saale-Holzland-Kreis für naheliegend, zumal die Residenzpflicht der Ärzte künftig weiter gefasst: etwa die Niederlassung des Jenaer Mediziners in der Dornburger Praxis denkbar wäre. "Man muss gar nicht über Gebietsreform reden und hat eine Situation hergestellt, die man einst glaubte, nur über Gebietsreform erreichen zu können", sagte Nitzsche. Denkbar sei aber auch eine "Binnendifferenzierung", also zum Beispiel die Ausweisung Lobedas als eigenständiger Zulassungsbezirk.

27.03.2012 TLZ - Thüringische Landeszeitung