Tausende verfolgten am Sonntagnachmittag am Straßenrand den Höhepunkt der Feierlichkeiten zum Stadtjubiläum "675 Jahre Gräfenthal & 600 Jahre Stadtrecht", der einen Abriss der wechselvollen Stadtgeschichte bot.

Gräfenthal. Ein eindrucksvoller Umzug mit 34 Bildern bildete gestern Nachmittag den vorläufigen Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten in Gräfenthal. In kompakter Form bekamen Tausende Zuschauer am Straßenrand einen Eindruck von der wechselvollen Geschichte der Stadt, die vor 675 Jahren erstmals erwähnt wurde und vor 600 Jahren das Stadtrecht verliehen bekam.

Fast alle Vereine aus Gräfenthal und den Ortsteilen brachten sich in das bunte Bild ein. So stellte der rührige SC Germania Gebersdorf Szenen aus dem Bauernkrieg nach, während der Geschichtsverein "Die Pappenheimer" einen gefangenen Raubritter abführten. Hier konnte man auch Henry Bechtoldt als früheren Pappenheimer begrüßen, der bis Ende Juni noch Bürgermeister der Stadt war. Der Tauchsportclub Delphin Gräfenthal stellte Amtmann und Landrichter vor, auch Feuerwehr, Trachtenverein und viele andere Akteure fanden sich im Zug wieder.

Ihre Aufwartung machten aber auch andere, wie die weit gereisten echten "Pappenheimer", die Greifensteinfreunde aus Bad Blankenburg, die an die erste urkundliche Erwähnung erinnerten, die Saalfelder Bettelmönche und die Steinzeitmenschen aus Obernitz. Deren Wortführer Helmut Kulawik ließ nicht nur Brot und Met an die Ehrengäste auf der Tribüne verteilen, sondern fragte sich, warum die Gräfenthaler immer so alte Bürgermeister hätten: erst Becht-oldt, jetzt Pasch-old.

Neu-Bürgermeister Peter Paschold (FFW/BI) nahm es mit Humor. Er freute sich über die gelungenen Veranstaltungen in der Festwoche und das Wetter, das gestern Nachmittag ein Einsehen hatte. Noch am Vormittag hatte der Regen die Straßen der Stadt gesäubert, wie Paschold scherzhaft erklärte.

Als Graf Sigismund von Orlamünde konnte man Dr. Wolfgang Wehr im Festumzug ausmachen. Der Schlossherr von Wespenstein hat dafür gesorgt, dass die Stadt jetzt wieder ein ansehnliches Schloss aufzuweisen hat, das Stück für Stück saniert wird.

Mit eigenen Bildern waren strukturprägende Betriebe der Stadt wie die Gräfenthaler Kunststofftechnik vertreten.

Deutlich wurde aber auch, dass es nicht nur gute Zeiten in der langen Ortsgeschichte gab. So wurde an den Stadtbrand im 19. Jahrhundert erinnert und die großen Kriege, von denen Gräfenthal nicht verschont blieb. Krankenhaus und Brauerei spielen nur noch in der Erinnerung eine Rolle, auch das Kriegsende mit dem Einzug der Amerikaner und natürlich die DDR-Zeit, als Gräfenthal im Sperrgebiet lag, spielten eine Rolle.

Zu den Ehrengästen der Veranstaltung zählten u.a. die Landtagsabgeordneten Maik Kowalleck (CDU) und Marian Koppe (FDP), Landrat Hartmut Holzhey (parteilos) und Probstzellas Bürgermeister Marko Wolfram (SPD).


30.07.2012 OTZ - Ostthüringer Zeitung