Den Politiker als Clown fürs Kinderfest, zum Vorlesen oder zum Möbeltragen engagieren? Was die Thüringer Parteien von der "Rent a MdL"-Aktion der SPD in Baden-Württemberg halten.

Erfurt. "Rent a MdL" - miet dir einen Landtagsabgeordneten. Unter diesem Slogan bietet die SPD in Baden-Württemberg ihre Mandatsträger an: Egal ob als Bratwurstbrater beim Kinderfest oder als Helfer im Seniorenheim. "Wir nehmen unseren Leitspruch Nah bei den Menschen ernst", schreiben die Sozialdemokraten in ihrem Aufruf. Einzig rein private Termine oder Anliegen finden keine Berücksichtigung.

Doch findet die Aktion Nachahmer in Thüringen? "Flächendeckend sicherlich nicht, aber einzelne Abgeordnete engagieren sich mit einem Tagespraktikum", sagt SPD-Landesgeschäftsführer René Lindenberg. Bei Aktionstagen seien sie beispielsweise in Pflegeheime gegangen, um sich einen Überblick zum Arbeitspensum zu verschaffen. Carsten Schneider , Haushaltsexperte im Bundestag, nutze das gern, um persönliche Eindrücke zu gewinnen. "Das bringt mehr als ein kurzer Besuch", sagt Lindenberg.

"Welcher vernünftige Mensch würde denn einen SPD-Abgeordneten mieten", fragt sich hingegen Sebastian Lenk , Sprecher der CDU in Thüringen. Die Union im Freistaat müsse weder Minister, Abgeordnete noch andere Funktionsträger vermieten. "Unsere Mitglieder sind bürgernah, die Union flächendeckend im Freistaat vertreten und in der Vereinsstruktur im Land fest integriert. Bürgernähe kann man nicht mieten, sie ist für die Thüringer Union selbstverständlich", lehnt er eine Aktion wie in Baden-Württemberg ab.

Bodo Ramelow , Fraktionschef der Linken, findet die Idee hingegen gut, stört sich nur am Namen: "Mieten und Abgeordnete im Zweiklang weckt eine falsche Assoziation." Seine Partei beteilige sich bereits an der Initiative Mitgehen. "Wir begleiten Hartz-IV-Empfänger bei Behördengängen, können durch unsere Prominenz dazu beitragen, dass sie Ernst genommen werden", sagt Ramelow. Ihm sei es so gelungen, dass eine Mutter die notwendige Kur für ihr Kind bekommen habe.

Aber er könnte sich auch vorstellen, andere Jobs ehrenamtlich zu übernehmen. Der gelernte Kaufmann verfügt über die Fachausbildung Wild und Geflügel und praktische Kenntnisse im Weinbau. "Vielleicht will mich ja jemand als Erntehelfer engagieren", sagt Ramelow augenzwinkernd und fügt auch gleich an, was er nicht kann. "Möbelschleppen", sagt er mit Verweis auf die jüngst operierte Bandscheibe.

Da hatte er ja Glück, dass er nicht unters Messer der FDP kam. Marian Koppe und Patrick Kurth besuchten nämlich jüngst verschiedene Krankenhäuser. Zumindest Kurth schwang sich in den weißen Kittel - ob alle Patienten den unangekündigten Besuch unbeschadet überstanden haben, ist nicht überliefert.

Bleiben noch die Grünen als kleinste Fraktion im Landtag. Sprecherin Theresa Junge überlegt nicht lange: Die Abgeordneten nahmen am Vorlesetag teil, folgten den Einladungen von Kindergärten und Schulen. Das sei sehr gut angekommen beim Nachwuchs und soll deshalb wiederholt werden.

Dass die Grünen auch anpacken können, beweisen sei am Tag des Baumes. Da bringen sie nicht nur kleine Bäume in Schulen, sondern greifen auch zur Schaufel, um diese zu setzen. Für weitere Ideen seien die Fraktionsmitglieder offen, sagt Junge - und so könnte es selbst in Thüringen gelingen, Landtagsabgeordnete zu mieten.


Tino Zippel / 17.08.12 / OTZ

17.08.2012 Thüringer Allgemeine