Lokales

OTZ befragt zur Entscheidung Königseer Landtagsabgeordnete und Bürgermeister der beiden Orte

Von Michael Graf

Erfurt/Königsee/Rottenbach. Die mit der Fusion von Königsee und Rottenbach entstehende Gemeinde soll doch den im Vertragsentwurf der Partner festgeschriebenen Doppelnamen erhalten. Das beschloss gestern der Landtag mit der Verabschiedung des Thüringer Gesetzes zur freiwilligen Neugliederung kreisangehöriger Gemeinden im Jahr 2012.
Aus der Empfehlung des Innenausschusses war der Passus gestrichen worden, wonach die Stadt nur Königsee heißen sollte. Der Landtag folgte mit großer Mehrheit einem diesbezüglichen Änderungsantrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, die nachdrücklich auf den Beschluss beider Gemeinden im Verfahren des freiwilligen Zusammenschlusses verwiesen.
»Ich bin Demokrat und nehme das Ergebnis zur Kenntnis«, sagte der CDU-Landtagsabgeordnete Gerhard Günther aus Königsee am Abend. Im Plenum hatte er noch einmal die Empfehlung des Innenausschusses angesichts der Beteiligung von 1726 Königseern an der Befragung zum Namen als »wohl überlegt« verteidigt.
MdL Marian Koppe (FDP), ebenfalls Königseer, äußerte sich »sehr enttäuscht, dass dem Votum von fast 86 Prozent unserer Bürger, die an der Befragung teilgenommen haben, nicht Rechnung getragen wurde. Und er sei »richtig sauer«, weil die Regierungsfraktionen den uns in der Sitzung des Innenausschusses eingebrachten Änderungsantrag »beerdigt hatten« und ihren eigenen, vom Ausschuss mit Mehrheit beschlossenen, kurz vor dem Plenum zurückzogen.
»Kontraproduktiv und überflüssig war der Namensstreit, den sich politische Interessengruppen aus Königsee und Rottenbach geliefert haben«, sagt Königsees Bürgermeister Jens-A. Sprenger (IWW), »als wenn wir nichts Besseres zu tun haben.« Er rechnet mit harten Zeiten, in denen »wir uns in den nächsten Jahren richtig in die Seile zu hängen haben, um aus unserer Heimat etwas zu machen«. Die Gemeindefusion gebe die Chance dazu. Sonst wären beide Ortschaften »in den nächsten Jahren zwischen dem Städtedreieck und Ilmenau aufgerieben worden.« Eine starke Region brauche Mitspieler und keine Gegenspieler.
Rottenbachs Gemeindeoberhaupt Volker Stein (parteilos) betrachtet das Landtagsvotum »als sehr positiv nicht nur im Sinne der Bürger von Rottenbach«. Es brauche kein »Zusammengehen im Streit, sondern im Einvernehmen«, betont er.
Stein ist überzeugt, dass Königsee als zentraler Ort in einer großen Verwaltungsstruktur kommunalpolitisch, wirtschaftlich und kulturell gestärkt wird. Auch er bezeichnet den Namensstreit als völlig überflüssig.

Kommentar

von Michael Graf

Ehe muss funktionieren

Michael Graf findet Entscheidung für Doppelnamen richtig

Nun hat der Landtag doch entschieden, dass die beiden Hochzeitswilligen aus dem Rinnetal nach ihrer Trauung einen Doppelnamen tragen sollen. Wie bei so manchen Frauen klingt das zwar nicht unbedingt besonders toll, aber es macht Sinn.
Im Ehevertrag war nun mal festgelegt worden, dass das vermählte Paar Königsee-Rottenbach heißen soll. Sicher entstand das Papier unter Zeitdruck, wurde die Bürgermeinung in Königsee erst nach der Verlobung eingeholt mit wenig überraschendem Ergebnis. Und sicher wäre der Familienname Königsee für die Nachbarn in Wirklichkeit keine Katastrophe gewesen. Denn sie wären weiter Rottenbacher geblieben, zumal auf dem Ortsschild in jedem Fall der Geburtsname zuerst ins Auge springt. Aber Vertrag ist Vertrag, vor gut einem Jahr abgesegnet von den Trauzeugen Stadt- beziehungsweise Gemeinderat.
Richtig ist dabei natürlich auch, dass vornan der größere der Ehepartner genannt wird. Vor allem jedoch zählt nicht der Name, sondern vielmehr dass die Lebensgemeinschaft funktioniert. Darum sollte der Zwist vor dem Gang zum Altar schnellstens zu den Akten gelegt werden.


23.11.2012 OTZ - Ostthüringer Zeitung