Gestern endete die Frist für die Einreichung von Vorschlägen zur Bundestagswahl 2013. Die Kandidaten laufen sich nun warm für den bevorstehenden Wahlkampf.
Sonneberg - Eine feste Bank für eine bestimmte Partei ist der Bundestagswahlkreis 196 beileibe nicht. 2002 machte Christine Lehder, 2005 Gerhard Botz (beide SPD) den Stich. Den Urnengang 2009 entschied Carola Stauche (CDU) für sich. Allerdings ging es damals denkbar knapp beim Zusammenzählen der Kreuzchen in Sonneberg, Saalfeld-Rudolstadt und dem Saal-Orla-Kreis: Mit rund 900 Stimmen distanzierte die Christdemokratin seinerzeit den Linke-Bewerber. Ein Trost blieb der Linken: Bei den Zweitstimmen hatte man die Nase vorn. Speziell im Kreis Sonneberg auch bei den Erststimmen.

Wer wird nun 2013 stärkste politische Kraft? Man darf gespannt sein. Und fachlich beglaubigt wird diese Einschätzung übrigens vom Polit-Magazin Cicero, welches in seiner Juni-Ausgabe den 196er mit dem Titel eines der "25 spannendsten Wahlkreise der Republik" adelte.

Die Hausherrin: Wie auch immer der Wahlkampf ausgeht? "Du darfst in der Politik nicht gleich alles persönlich nehmen", sagt Carola Stauche, die den Wahlkreis seit vier Jahren für die CDU vertritt. Geboren 1952 in Arnsgereuth ist sie in einem kleinen landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen. Ihr Berufsweg führte sie nach dem Abitur in die Gastronomie und Hotellerie. In ihrem Heimatort Rohrbach besitzt Carola Stauche heute ein Hotel, das für einige Schlagzeilen sorgte, weil Stauche dort laut OTZ-Bericht eine Mitarbeiterin beschäftigte, die vom Deutschen Bundestag bezahlt wurde.

Politisch engagierte sich Stauche nach der politischen Wende für die CDU und war von 1995 bis 2004 Vorsitzende der Verwaltungsgemeinschaft "Mittleres Schwarzatal", wofür sie sich auch als Verwaltungsfachangestellte qualifizierte. Von 2004 bis 2009 gehörte sie dem Thüringer Landtag an, seit 2009 nun dem Bundestag. "Im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz konzentriere ich mich auf die Agrarpolitik in den neuen Länder, Ernährungsfragen und -wirtschaft. Als stellvertretendes Mitglied im Tourismus-Ausschuss will ich dem ländlichen Raum mehr Gehör verschaffen", so Stauche. Stellvertretendes Mitglied ist sie zudem im Innenausschuss. "In der Arbeitsgruppe Kommunalpolitik der CDU/CSU-Bundestagsfraktion setze ich mich für starke Kommunen ein, und in der Arbeitnehmergruppe kämpfe ich mit meinen Kollegen für eine allgemein verbindliche Lohnuntergrenze und eine menschlichere Arbeitswelt", erklärt sie. Für den Wahlkampf hat sie keine großen Events geplant: "Die Arbeit über die vier Jahre im Bundestag muss überzeugen, nicht große Auftritte vor der Wahl", sagt Stauche auf Nachfrage von Freies Wort. Prominente Unterstützer kommen trotzdem: Volker Kauder, Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, wird zu zwei Terminen kommen, der Bundesvorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) Karl-Josef Laumann zu einem.

Der Landes-Chef: Wie die Linke den Besuch ihrer beiden Bundesvorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger noch toppen will? Knut Korschewsky schmunzelt. Ein bisschen was geht schon noch. Und so freut sich der 52-Jährige am 22. Juli den stellvertretenden Vorsitzenden der Linksfraktion im Bundestag Dietmar Bartsch und am 5. September Klaus Ernst - einer der acht Spitzenkandidaten seiner Partei - in Sonneberg begrüßen zu können.

"Der Ausgang der Wahl ist völlig offen", sagt Korschwesky, der bei der Landtagswahl 2009 auf Platz 4 der Linke-Landesliste erstmals selbst in den Thüringer Landtag gewählt wurde. Der sport- und tourismuspolitische Sprecher seiner Fraktion vertritt seither den Wahlkreis Sonneberg. Von seiner Arbeit rund um die Spielzeugstadt erwartet er sich durchaus Rückenstärkung für die nun anstehende Herausforderung. Und wie gesagt: Trotz der unterschiedlichen Ausgangsbedingungen im Vergleich zu 2009 erachtet er den 900-Stimmen-Vorsprung von Stauche nicht in Stein gemeißelt.

Korschewsky ist bereits seit 1979 politisch aktiv, damals trat der gelernte Feinwerktechniker in die SED ein. Nach Stationen in Suhl und einer Anstellung in der FDJ-Kreisleitung in Suhl bis 1990 wurde er 2002 zunächst PDS-Landesgeschäftsführer, am 4. März 2006 schließlich Landesvorsitzender. Von seiner überregionalen Bekanntheit in dieser Funktion hoffe er nun zu profitieren.

Der Newcomer: Bereits im November 2012 nominierten die Sozialdemokraten Christoph Majewski für die Bundestagswahl. Der 39-jährige Familienvater setzte sich auf der Nominierungsversammlung in Saalfeld gegen Rüdiger Wohl durch. Sein Thema: "Die Reichen werden reicher, die Armen werden ärmer. Auch im Deutschland. Hier müssen wir gegensteuern und große Vermögen und Einkommen stärker an der Finanzierung des Gemeinwesens beteiligen." Der 1972 in Saalfeld geborene Majewski wuchs in einer klassischen Arbeiterfamilie auf - der Vater Elektriker, die Mutter Hebamme. Nach dem Abitur studierte er zwischen 1993 und 2001 als Stipendiat der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung Volkswirtschaftslehre an den Universitäten Jena, Newcastle und der Pantheon Sorbonne in Paris. Das Studium schloss er als Diplomvolkswirt ab. Nach seinem Studium war er unter anderem für die Deutsche Telekom, T-Systems und die Deutsche Rentenversicherung tätig. Der Newcomer möchte im Bundestag künftig für soziale Gerechtigkeit streiten. Im Wahlkreis sollen, so seine Forderung, eine moderne Sozialpolitik, ein Mindestlohn von wenigstens 8,50 Euro, sichere Renten und gute Bildung Perspektiven sichern. Die Ansprüche sind hoch, denn seine Genossen erwarten, dass Majewski den 2009 an die CDU verlorenen Wahlkreis wieder für die Sozialdemokraten zurückholt.

Die studierte Sängerin: Für die Bündnisgrünen steht Stephanie Erben als Direktkandidatin zur Wahl. Daneben steht sie auf Platz 3 der Thüringer Landesliste. Die 42-Jährige ist zwar erst seit 2009 Mitglied bei den Grünen, kletterte die Parteileiter aber ziemlich schnell nach oben. Bereits zwei Jahre nach ihrem Eintritt engagierte sie sich im Vorstand des Thüringer Landesverbandes. Die studierte Sängerin engagiert sich sehr im Bereich Kulturmanagement, hat sich aber darüber hinaus aber auch weitere Themen auf die Agenda geschrieben: Zum einen fühlt sie sich dem Kampf gegen Rechtsextremismus und der Unterstützung der Zivilgesellschaft verpflichtet. "Menschenverachtende Einstellungen - unabhängig welcher Minderheit in diesem Land sie gelten - sind kein Kavaliersdelikt und dürfen nicht gesellschaftsfähig werden", findet Erben. Darüber hinaus sieht sie in einer gelungenen Energiewende die Aufgabe der Zukunft. Sie selbst fährt mit gutem Beispiel voran; für den Wahlkampf nutzt sie gar ihr eigenes kleines Elektro-Auto. Sie lebt mit ihrem Mann und einer Tochter in Rudolstadt.

Der Anwalt: Für die FDP tritt im Wahlkreis Alf-Heinz Borchardt an. Der 59-Jährige stammt aus Oldenburg, lebt seit 23 Jahren im Osten und hat eine eigene Rechtsanwaltskanzlei in Pößneck (Saale-Orla-Kreis). Borchardt, verheiratet, ist seit 2004 Mitglied im Stadtrat von Pößneck. 2007 wechselte er von der CDU in die FDP. 2011 wurde er zum Kreisvorsitzenden der FDP im Saale-Orla-Kreis gewählt. Borchardt will sich im Bundestag vor allem für den weiteren Ausbau der Infrastruktur (Ausbau der Bundesstraßen, gute Autobahnanschlüsse) starkmachen. Zudem will er sich im Bereich Rechtspolitik engagieren. Er kennt Sonneberg auch persönlich. Sein Standpunkt: "Ich kann nur alle dazu aufrufen zur Wahl zu gehen und hoffe, dass wir diesmal eine Wahlbeteiligung haben, die einer Demokratie zur Ehre gereicht. Nicht zur Wahl gehen und hinterher maulen - das geht gar nicht. Für mich gibt es keine Entschuldigung dafür, nicht zur Wahl zu gehen."

una, anb, ts, gro, löff 16.07.2013

16.07.2013 www.insuedthueringen.de