Perspektivisch wird es im hiesigen Landkreis einen Mangel an Ärzten geben, da sind sich Experten sicher. MdL Marian Koppe (FDP) hat sich am Montag über die Verhältnisse in Sonneberg informiert.

Sonneberg - Die Ärzteversorgung in ländlichen Regionen steht unter anderem auf Grund des demografischen Wandels vor Problemen: Die Bevölkerung wird immer älter, für den daraus wachsenden Bedarf an ärztlichen Leistungen fehlen vielen Kommunen aber junge Fachkräfte - schon heute. Auch der Landkreis Sonneberg muss sich bemühen, jungen Ärzten Anreize zu schaffen, um diese dauerhaft in der Region anzusiedeln. Und somit eine adäquate ärztliche Versorgung sicherzustellen.

Dieser Tage ist der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion Marian Koppe überall in Thüringen unterwegs, um sich über regionale Besonderheiten zu informieren und Gespräche mit Akteuren vor Ort zu suchen. Am Montag war er in Sonneberg zu Gast und besuchte neben der Medinos Kliniken des Landkreises GmbH und der Stadtapotheke auch Dr. Christian Franke vom Facharztzentrum Sonneberg- Coburg. Noch kein akuter Mangel "Eine gute Versorgung der Patienten
erfordert das komplexe Ineinandergreifen verschiedenster Versorgungsarten und aller Akteure", sagt FDP-Politiker Koppe. "Nur wer weiß, wo die Probleme liegen, kann Lösungen erarbeiten." Und Dr. Christian Starke weiß, wo sie zu finden sind. Zwar erkennt der ärztliche Leiter des Facharztzentrums noch "keinen akuten Mangel" an Ärzten im Landkreis. Perspektivisch aber sehe er einen solchen auf die Region zukommen. Mehr als die Hälfte aller niedergelassenen Mediziner werde in den kommenden fünf bis zehn Jahren in den Ruhestand gehen, sagt Franke: "Das bereitet mir große Sorgen." Deshalb sei es wichtig, jungen Ärzten Anreize zu schaffen, sich in ländlichen Regionen wie Sonneberg niederzulassen. Einige Vorschläge konnte Franke seinem Gesprächspartner aus Erfurt mit auf den Weg in
die Landeshauptstadt geben. Zum einen müssten Kreise und Städte ihre Fördermöglichkeiten nutzen, um Kollegen anzuwerben. Das gelänge dadurch, Hilfe bei der Suche nach attraktivem Wohnraum anzubieten oder den Partnern und Familien bei der Jobsuche unter die Arme zu greifen. Außerdem müsse eine dezentrale Ausbildung der Mediziner gestärkt und die Anzahl der Studienplätze erhöht werden. Mit ihrem "Drei-Säulen-Modell" versuchen Koppe und seine Partei für den ambulanten Bereich anzusetzen. Die Liberalen fordern mindestens 25 Medizin-Studienplätze mehr pro Semester, einen gemeinsamen Strukturfonds bestehend aus Kassenärztlicher Vereinigung und den Krankenkassen sowie eine Landarztquote von
zehn Prozent. Außerdem müsse eine Hilfe für Hausärzte von Seiten des Landkreises aufgebaut werden, die in puncto Aus- und Weiterbildung mit den Verantwortlichen vor Ort zusammenarbeite. "Die medizinischen Versorgungsstrukturen in Thüringen stehen vor gewaltigen Herausforderungen. Damit der hohe Versorgungsgrad und die ausgezeichnete Qualität Bestand haben, muss der Freistaat aber seine Hausaufgaben machen", fordert Koppe. Er wirft der Landesregierung vor, das Problem des Ärztemangels zu verharmlosen und zu wenig dagegen zu unternehmen.

Koppe: "Der Ärztemangel ist kein künftiges Schreckensszenario, sondern bereits heute eine spürbare Tatsache." Laut Kassenärztlicher Vereinigung fehlten im Mai 2012 im Land Thüringen bereits 244 Hausärzte und 25 Fachärzte. Bis 2020 ergebe sich allein im Freistaat ein Bedarf an 1588 Haus- und 1645 Fachärzten. gro

09.04.2014 Freies Wort