Wahlkampf

Baden-Württembergs FDP-Wirtschaftsminister im Landkreis zu Gast Von OTZ-Redakteur Thomas Spanier Rudolstadt. Dass der Osten, entgegen der Darstellung in einigen Medien, kein Fass ohne Boden ist - diese Erkenntnis nahm der baden-württembergische Wirtschaftsminister Dr. Walter Döring (FDP) gestern von seinem fünfstündigen Aufenthalt im Landkreis mit. Auf Einladung der hiesigen Liberalen besuchte er das Leutenberger Unternehmen ELMO, speiste im Saalfelder Ratskeller mit Kommunalpolitikern und Wirtschaftsvertretern und informierte sich zuletzt im TITK Rudolstadt über die Arbeit des Instituts, ehe er mit dem Helikopter wieder Richtung Stuttgart entschwebte.

Es gebe in den alten Bundesländern "eine geradezu rotzige Arroganz" beim Thema Aufbau Ost, sagte Döring. Die Diskussion sei falsch und wirke lähmend. Deutschland brauche insgesamt mehr Reformen und weniger Bürokratie. Er empfehle allen Politikern, die sich über die neuen Bundesländer äußern, sich zunächst vor Ort umzusehen.

Beeindruckt zeigte sich Döring, der auch Präsident des Tourismusverbandes Baden-Württemberg ist, von den touristischen Möglichkeiten der Region. Gäbe es eine bessere Kooperation der touristischen Anbieter, wäre in diesem Bereich des Dienstleistungssektors noch viel mehr möglich. Touristische Arbeitsplätze seien wichtig, weil sie nicht exportiert werden können. "Da liegt was brach, was geschöpft werden soll", sagte der Minister und bot an, Vertreter der hiesigen Fremdenverkehrsbranche zum Erfahrungsaustausch nach Baden-Württemberg einzuladen.

Auch dort habe man bis vor wenigen Jahren den Fehler gemacht, dass man das Land mit vielen verschiedenen Prospekten vorgestellt habe. So warben bei einem Besuch in China der nördliche Schwarzwald und der südliche Bodensee jeweils für sich. Das verstehe kein Mensch. "Nötig ist eine Marke, die man national und international verkaufen kann, und das kann nur das Land sein", betonte Döring. In den nächsten Jahren werde sich der Wettbewerb auf diesem Gebiet durch die neuen EU-Mitglieder ungeheuer verschärfen.

Begleitet wurde Walter Döring bei seiner Landkreisvisite u.a. vom Thüringer FDP-Landeschef Uwe Barth und dem Kreisvorsitzenden und Europawahl-Spitzenkandidaten Volker Weber.

www.otz.de

29.04.2004 Andreas Johne