SPD: Urlaub verdient / FDP: Parteibuchpolitik
Saalfeld (OTZ). Die CDU-Kritik an der Amtsführung der Landrätin, Marion Philipp (SPD), und der ehrenamtlichen Leitung der Verwaltung in ihrem Urlaub (OTZ von gestern) rief beim SPD-Kreisverband Saalfeld-Rudolstadt Verwunderung hervor. Kreisvorsitzender Robert Geheeb unterstreicht in einer Pressemitteilung, dass "gerade weil Marion Philipp ihr Amt mit vollem Einsatz ausübt", Urlaub nötig sei und verweist auf das damit verbundene "sehr persönliche und nicht alltägliche Ereignis".
"Das einzig Peinliche an dieser Debatte ist die Art der Auseinandersetzung, die von einem geringen Maß an politischer Kultur bei unserem politischen Konkurrenten zeugt", wirft Geheeb der CDU vor, "den Willen der Wähler nicht einmal ein Jahr nach der Wahl in Frage zu stellen". Er fordere die Kreis-CDU deshalb auf, den Sieg von Philipp bei den Landratswahlen 2006 endlich zu akzeptieren.

Der SPD-Kreischef, der daran erinnert, dass der Kreistag mit der CDU/FDP als stärkster Fraktion 2004 das Amt des zweiten hauptamtlichen Beigeordneten einstimmig abgeschafft habe, findet, dass Gerhard Günter (CDU) als früherer hauptamtlicher Beigeordneter des Landkreises in der Lage sei, das Amt stellvertretend wahrzunehmen. Ob die CDU das bezweifele, fragt er.

Der FDP-Kreisverband schließt sich dagegen der CDU-Kritik an: "Mit ihrer verzögerten Ausschreibung der Position des ersten Beigeordneten hat die Landrätin unseren Landkreis in keinen akzeptablen Zustand versetzt", stellt der stellvertretende FDP-Kreisvorsitzende, Marian Koppe, fest. Er vermutet, dass Philipp den ehemaligen Vize-Landrat, Dr. Friedrich Folger (SPD), "als einen der höchstbezahlten Angestellten im Landkreis unbefristet im Landratsamt einstellen" wollte, was der Personalrat verhindert habe. Koppe wirft der Landrätin vor, dass das "geringe Salär bis zur Neuwahl des Beigeordneten" für Folger "ein Vielfaches eines Hartz IV-Empfängers" betragen sollte, was Philipp "bewusst im Kreistag verschwiegen" habe. Er vermutet "parteibuchgebundene Personalpolitik" und verweist dabei auf die Einstellung des "SPD-Kreisvorsitzenden ohne Ausschreibung im vergangen Jahr in einem kreiseigenen Unternehmen" sowie auf das schlechte Abschneiden des Kreises im kürzlich veröffentlichten Ranking.

18.04.2007 OTZ - Ostthüringer Zeitung