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Kulturpolitik

Überwindung der Bürokratie durch Kreativität – im Sinne Walter Gropius

Purdel

Die Podiumsgäste des Kulturfrühstücks
Die Podiumsgäste des Kulturfrühstücks

Am Sonntag, den 26. April 2009, folgten rund 100 Besucher der Einladung der FDP-Bundestagsfraktion zum 44. Kulturfrühstück in Weimar. Im Seminargebäude der Weimarhalle diskutierten Christoph Waitz, MdB; Micky Remann, Kulturdirektor der Toskanaworld; Professor Matthias Oldag, Intendant in Altenburg / Gera sowie Professor Schmidt-Oberländer von der Hochschule für Musik "Franz Liszt" und Max Schreiner, freier Medienkünstler und Märchenerzähler über die Bedeutung von Kunst, Kultur und Kreativität in unserer Gesellschaft.

Das Kulturfrühstück eröffnete der Spitzenkandidat der thüringischen FDP zur Landtagswahl, Uwe Barth, MdB, mit einer flammenden Rede auf die Kulturregion Thüringen und Weimar im Speziellen. Er machte zudem deutlich, wie wichtig die Kulturfrühstücke für die FDP-Bundestagsfraktion seien, um mit den Künstlern und Kulturschaffenden vor Ort ins Gespräch zu kommen, um Denkanstöße zu geben aber auch zu erhalten.
Christoph Waitz, Sprecher für Medien- und Kulturpolitik der FDP Bundestagsfraktion, knüpfte in seiner anschließenden kulturpolitisch orientierten Rede daran an und zeigte mögliche Themen für die Diskussion aus bundespolitischer Sicht auf: Er verwies unter anderem auf die Kulturfinanzierung und das damit zusammenhängende Staatsziel Kultur sowie das Themenfeld Kultur- und Kreativwirtschaft. Besonders wichtig sei ihm der Punkt der Kulturellen Bildung: "Rund Zwei Drittel der Befragten des Kulturbarometers geben an, noch nie eine Oper, Operette und Theateraufführung besucht zu haben", hob er hervor. Bedenklich stimme es ihn, dass bei jenen, die solche Aufführungen besuchen, es dramatische Entwicklungen gäbe. Seit 1965 hätte sich die Zahl der unter 40jährigen, die wenigstens einmal pro Jahr die Oper besuchten, halbiert." Auch in 10, 20 und 30 Jahren müsse es noch Menschen geben, die eine Oper überhaupt verstehen, war sein Plädoyer, wofür er viel Beifall aus dem Publikum erhielt.
Professor Gero Schmidt-Oberländer konnte ihm hier nur beipflichten: "Man schaue im Konzertsaal auf einen Silbersee" und meinte damit die überproportionale Teilhabe älterer am kulturellen Leben. Den Grund sieht er in der mangelhaften kulturellen Bildung bei der nachwachsenden Generation. Er bemängelte, dass lediglich 20 Prozent des Musikunterrichtes an Grundschulen von dafür ausgebildeten Pädagogen vorgenommen würden. Man müsse sich dies einmal bei dem Fach Mathematik vorstellen, konstatierte er mit Rückhalt aus dem Publikum. Hier sei dies schlicht undenkbar! Doch die Musik habe nicht eine solche Lobby, wie das bei anderen Fächern der Fall sei! Dass von ihm initiierte "Grundschulprojekt zur musischen Bildung!" bilde nun die Grundschullehrer weiter, die bisher keine Ausbildung als Schulmusiklehrer hätten.
Professor Schmidt-Oberländer war zudem das Thema Nachhaltigkeit wichtig. Alle Projekte zur Kulturellen Bildung müssten in feste Strukturen überführt werden. Solche guten Projekte, wie das von Simon Rattle in Berlin dürfte keine Eintagsfliegen werden. Sein Projekt "Primacanta" - "Jedem Kind seine Stimme" - in Franfurt am Main, könnte als gutes Beispiel für Nachhaltigkeit gelten. Dem pflichtete Herr Waitz bei und brach eine Lanze für "Jedem Kind ein Instrument", welches von der Kulturstiftung des Bundes gefördert werde.
Beim Thema Kulturfinanzierung warf Professor Oldag die Frage auf, welchen Wert Kultur für die Gesellschaft eigentlich habe. Er erhielt viel Beifall für seine Feststellung, dass man dafür kämpfen müsse, dass unsere Gesellschaft nicht "verblöde". Ob dies womöglich ein Sisyphos-Kampf sei, das sei aber auch ihm unklar.
Micky Remann und Max Schreiner thematisierten, ob Kreativität erlernt werden könne und wie viel Kreativität die Menschen benötigten. Remann machte deutlich, dass Kreativität wichtig sei - egal wie erlangt. Dass bereits im vergangenen Jahrhundert die Kreativen unter Bürokratie stöhnten zweigte ein weiterer Einwurf von ihm: "Walter Gropius hat 90% seiner Zeit am Bauhaus in Weimar mit der Bürokratie verbracht und nur 10% mit Kreativität. Erstaunlich ist, dass 10% Kreativität ausreichen, um 90% Bürokratie zu überwinden!"
Der charmanten Moderatorin Blanka Weber blieb es vorbehalten Christoph Waitz und Uwe Barth sowie die Gäste in den Nachmittag zu entlassen. Einigkeit herrschte in jedem Fall darüber, dass die Podiumsgäste aber auch die Gäste einen unterhaltsamen und inspirierenden Vormittag beim FDP-Kulturfrühstück verbracht hatten.
Matthias Purdel,

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