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Heinz Untermann
Heinz Untermann

"Beim Luftverkehr darf man keine Kirchturmpolitik betreiben", fordert Heinz Untermann, der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion. "Dazu muss man vor allem die Akteure an einen Tisch bringen", so Untermann weiter. Dieses Ziel verfolgte die FDP-Fraktion mit ihrem Thementag "Chancen und Potenziale des Luftverkehrs in Mitteldeutschland", zu dem sie den Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen Ralph Beisel und Thüringer Flugverkehrsverantwortliche am 2. Mai 2011 nach Erfurt eingeladen hatte.

Beim Gespräch mit dem Chef des Flughafens in der Landeshauptstadt, Matthias Köhn, wurde deutlich, dass der Luftverkehr in Thüringen eine Zukunft hat. Die Talsohle sei durchschritten, mit einer Wachstumsrate von 18,8 Prozent im Passagierbereich sei man auf gutem Kurs. 2011 stehe der Besuch des Papstes an, dessen Landung in Erfurt ein weiteres Highlight sein werde. Einmalig sei auch die Verbindung von Landebahn und Straße, welche der Logistikdienstleister TNT in Erfurt aufgebaut habe. Hier habe der Erfurter Flughafen Modellcharakter, so Köhn. Gut aufgestellt sieht auch Ralph Beisel die Region: Dass in Erfurt Nachtflüge möglich sind, sei ein Pfund mit dem nicht viele Flughäfen in Deutschland wuchern könnten. Vor allem aber sei der Flughafen Erfurt ein Tor, durch das viele Menschen nach Thüringen kommen könnten. Ähnlich sieht das Verkehrsexperte Untermann: "Zu einer Landeshauptstadt gehört ein Flughafen."

Die Potenziale des Luftverkehrs zu nutzen riet Ralph Beisel auch im folgenden Gespräch mit Vertretern der Thüringer Industrie- und Handelskammern. Flughäfen sollten ein profitables Wachstum generieren, auch wenn sie - bis auf wenige Ausnahmen - am Ende betriebswirtschaftlich keinen Profit erwirtschaften könnten, weil sie als "Einrichtungen der Daseinsfürsorge" einen 24-Stunden-Betrieb gewährleisten müssten. Erfurt sei gut aufgestellt, weil sich die "Charterflüge gut rechneten" und ein Frachtbetrieb hier rund um die Uhr möglich sei. Dennoch mache Thüringen noch zu wenig aus seinen Wachstumschancen. Es müsse gelingen, nicht nur die Thüringer zum Urlaub "auszufliegen" sondern auch den "Incoming-Verkehr" anzukurbeln. Ein erster wichtiger Schritt sei die Umbenennung zum "Flughafen Erfurt-Weimar". Der wirtschaftspolitische Sprecher Thomas L. Kemmerich erinnerte daran, dass die politische Initiative dafür von der FDP-Fraktion ausgegangen war. Mit neuen Namen sei künftig die Voraussetzung für eine bessere touristische Vermarktung gegeben.

Flughafen Erfurt-Weimar Heinz Untermann und Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen Ralph Beisel Heinz Untermann

Am Abend hatte die FDP-Landtagsfraktion zu einer öffentlichen Diskussion in die 17. Etage des Radisson Blu-Hotels in Erfurt eingeladen. Auch hier standen zunächst die Entwicklungschancen des Airports Erfurt-Weimar besonders im Blickpunkt. Bis 2020 könnte sich das Aufkommen auf 600.000 nahezu verdoppeln, sagte Beisel. Der Luftverkehr verfüge insgesamt über ein großes Wachstumspotenzial. 2011 werde man erstmals die 200 Mio.-Marke überschreiten. Auf über 300 Mio. Passagiere schätzt der ADV-Chef das Aufkommen 2025. In Deutschland gebe es über 300 Plätze in "verschiedenen Ligen". Jeder müsse sich passend positionieren. Die Prioritätensetzung beginne im jeweiligen Bundesland. Beisel plädierte aber auch dafür, dass "mitteldeutsche Flughafenkonzept" als ein sehr vernünftiges Konzept fortzuschreiben.
Zurückhaltend äußerte er sich zur Zukunft des Verkehrslandeplatzes Altenburg. Entscheidend sei es, dass der Betreiber ein schlüssiges Konzept vorlege, dass in der Region überzeuge und mit dem man Airlines gewinnen könne, Altenburg anzufliegen und somit den "Wiederaufstieg von der 3. in die 2. Liga zu schaffen".

Fraktionsgeschäftsführer Dr. Carsten Klein fragte in der anschließenden Diskussion nach den "Megatrends" für den Luftverkehr in Deutschland. "Sehr hohe Qualität und eine starke Infrastruktur als Vorteile, aber auch eine abnehmende Akzeptanz für Großprojekte", nannte Beisel. Keiner wolle die Infrastruktur weiterentwickeln, bedauerte er. Die Branche sei global, die Akzeptanz aber immer lokal, wies er auf das Problem des Nachtflugverbots und die zähen Beteiligungsverfahren bei der Genehmigung von Ausbauvorhaben hin. Auch deshalb gebe es Chancen für Flughäfen mit 24-Stunden-Betriebserlaubnis wie in Erfurt.